fireflyclub

“Ich möchte Vorurteile gegenüber Behinderung abbauen”.

Der Firefly Club bildet Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung zu professionellen DJs aus, kümmert sich um die Vermittlung der ausgebildeten DJs in den öffentlichen Kulturraum und organisiert selbst inklusive Abendveranstaltungen für Menschen mit und ohne Behinderungen. Christoph Sackl, der Gründer erzählt uns über seine Ideen und seine Leidenschaft für den Firefly Club.

Welche Leidenschaft treibt dich an?

Ich habe das Gefühl wirklich etwas zu verändern, das mir sehr am Herzen liegt. Ich möchte durch meine Idee Vorurteile gegenüber Behinderung abbauen und so zu einer Sensibilisierung der Gesellschaft beitragen. Es ist erfüllend zu beobachten, wie das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen der ausgebildeten DJs während der Ausbildung unglaublich steigt und sie anschließend positives Feedback vom Publikum bei öffentlichen Veranstaltungen für ihre Auftritte bekommen. Es ist schön zu sehen, wie kreative DJ Namen und neue DJ Fanseiten im Facebook entstehen und wie Barrieren bei unseren und externen Veranstaltungen fallen. Wenn Personen, die noch nie näheren Kontakt zu Menschen mit Behinderung hatten, mit unseren DJs und Gästen mit Behinderung tanzen, scherzen und “Hi-Fives“ anbieten, macht mich das richtig stolz. Auch das schnelle und stetige Wachstum des Vereins, die neuen Kooperationen, Partner und Buchungen sind antreibende Faktoren, wie auch dieses Interview.

Wann hast du deine Leidenschaft entdeckt? Wo hast du von dieser Idee erfahren?

Die Inspiration kommt aus London. Dort habe ich 13 Jahre lang gelebt und wertvolle Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung durch meine Arbeit im sozialen Bereich gesammelt. Es gibt dort schon länger mehrere Anbieter von inklusiven Discos, welche ich mit den Personen, die ich damals betreute, öfters besucht habe. Zu dieser Zeit war ich auch in meiner Freizeit als DJ in London tätig und habe mit Freunden Veranstaltungen organisiert. Schon bevor ich zurück nach Wien kam spielte ich mit dem Gedanken, meine Leidenschaft zur Musik mit meinen beruflichen Erfahrungen zu verbinden und ein ähnliches Angebot in Wien zu schaffen. In den letzten Wochen in London kontaktierte ich einen Anbieter einer inklusiven Disco, um mir Start-Up Tipps zu holen. In Wien angekommen habe ich durch meinen Bekanntenkreis Sebastian Gruber kennengelernt, der selbst eine leichte Beeinträchtigung hat. Sebastian war von dem Konzept sehr begeistert und kurz danach haben wir den Verein gegründet. Nach fast 3 Jahren kann ich sagen, dass sich der Schwerpunkt von der ursprünglichen Idee der inklusiven Discos mehr auf die regelmäßigen DJ Ausbildungstätigkeiten und die Vermittlung der DJs in den öffentlichen Kulturraum verlagert hat. Das unterscheidet uns von allen Anbietern in England und meines Wissen, Anbietern in ganz Europa.

Wie hat deine Leidenschaft dein Leben verändert?

Ich bin zum Workaholic geworden, aber im positiven Sinn, denn ich mache es gerne und die Arbeit gibt mir ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit. Ich hätte mir nie vorher gedacht, dass ich so viel Freude an einer Arbeit haben kann. Arbeit hatte ich bis jetzt immer in Verbindung mit einer Notwendigkeit gebracht. Natürlich gibt es Höhen und Tiefen, aber die Erfolge spornen mich weiter an. Der Firefly Club ist ein Teil von mir geworden und es gibt fast keine Stunde in meinem Leben, in der ich nicht über den Verein nachdenke.

Wo findest du den Raum um deine Leidenschaft ausleben zu können?

Ich verbringe viele Stunden abends im Musikstudio meines Hauses wo ich meine Vorhaben plane, administrative Tätigkeiten durchführe und zum Beispiel dieses Interview schreibe. Das ist sozusagen meine kreative Eremiten Höhle. Wenn ich meine Höhle verlasse befinde ich mich meistens in der Brunnenpassage, wo wir unsere DJ Ausbildungen seit Beginn an durchführen, im Skydome des Wiener Hilfswerk, wo unsere Partys und eine monatliche Teenie Disco für Jugendliche mit Beeinträchtigung mit unseren DJs stattfindet und natürlich bei externen Veranstaltungen, bei denen wir gebucht sind. Dazu kommen die unzähligen Meetings mit Partnern und Unterstützern in Lokalen quer durch Wien. Im Impact Hub Vienna verbringe ich auch Zeit um mich fortzubilden und mich inspirieren zu lassen.

Worauf verzichtest du, um deine Leidenschaft ausleben zu können?

Meine Freizeit ist sehr eingeschränkt. Neben einem Vollzeitjob und einer Familie betreibe ich zusätzlich den Verein. An dieser Stelle möchte ich gleich meine Frau loben, die mir sehr viel Freiheit lässt und meine Vorhaben unterstützt, auch, weil sie selbst in der Behindertenbetreuung tätig ist und einen persönlichen Bezug zu dem Thema hat. Es funktioniert eigentlich nur durch das Setzen von Prioritäten. Die Familie kommt natürlich zuerst, danach schon der Verein. Auch mein 2-jähriger Sohn motiviert mich, denn eines seiner Lieblingswörter ist „Firefly“ und er liebt das Logo.

Könntest du dir vorstellen, davon einmal zu leben?

Absolut. Morgen wenn es möglich wäre. Was gibt es besseres als seine Talente, Erfahrungen und Leidenschaft zusammenzubringen, dabei etwas in der Gesellschaft zu verändern und davon leben zu können? Ich habe erstmals das Gefühl meine Lebensaufgabe gefunden zu haben und in meinem Element zu sein. Das wäre ein Traum der wahr werden würde.

Was sagt eigentlich deine Freunde, deine Familie zu deiner Initiative?

Die finden das natürlich ganz toll und sind sehr unterstützend. Viele meiner Freunde sind auch in den Verein eingebunden und unterstützen den Firefly Club ehrenamtlich mit ihren individuellen Talenten und ihrer Zeit. Ich denke ohne die Hilfe meiner Freunde und allen großartigen Personen, die im Laufe der Zeit ihre Unterstützung angeboten haben, würde es den Firefly Club gar nicht mehr geben. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Die Inspiration für den Namen “Firefly Club“ kommt sogar von meinen Eltern. Ich kann mich noch gut an den Abend des Brainstormings erinnern. Ich wollte mit dem Namen einen Bezug zum Nachtleben schaffen und mit einer Symbolik zur Sichtbarmachung einer sozialen Thematik verbinden. Diese Gedanken assoziierten wir mit einem Glühwürmchen, das Licht in die Dunkelheit bringt und die Schatten der Ausgrenzung ausleuchtet. Die Dunkelheit wird verschwinden sobald genügend lichtbringende Glühwürmchen zusammenkommen. Genau das passiert wenn unsere DJs ihre musikalische Leistung bei Veranstaltungen vor einem inklusiven Publikum im öffentlichen Kulturraum beweisen, denn dann lösen sich Vorurteile gegenüber Behinderung auf. Nur hört sich das Glühwürmchen auf Englisch viel erwachsener an und so wurde es der Firefly Club.

www.fireflyclub.at/club


1 Response

  1. ConstantChange sagt:

    Ich bin aus dem näheren Umfeld des FireflyClub (ein “relativ aktiver” Unterstützer) und ich kann alles bestätigen was Chris da oben gesagt hat.

    Der Firefly Club, und auch Christoph selbst, sind eine absolute Inspiration! Was da in nicht viel mehr als zwei Jahren passiert ist, ist für Wien eigentlich unglaublich.

    Ich kann (eigentlich fast “muss”) jedem empfehlen zumindest eine der Parties, oder auch Ausbildungen, des Firefly Clubs zu besuchen. Meine Einstellung, bzw mein Umgang mit Menschen mit Behinderung hat sich um 180° gedreht. Eine Art komische soziale “Furcht” (ich hatte früher im Alltag sehr wenig mit Menschen mit Behinderungen zu tun) ist jetzt aufgelöst, die soziale Frage ist nun wie sonst auch nurmehr “sind wir auf einer Welle”, und wie sonst trifft das natürlich auf manche weniger, aber auf viele mehr zu.
    (Generell scheinen mir Menschen mit Behinderung -bzw die die ich kennen lernen durfte- etwas lebensfroher als der Durchschnittsmensch in Österreich)

    In diesem Sinne, auf diesem Wege auch – Alles Gute FireflyClub! Auf eine sehr positive und hoffentlich sehr sehr lange und erfolgreiche Zukunft !!

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