Perrine Schober

Perrine Schober: “Das Soziale ist meine Leidenschaft”

Perrine Schober ist 32 Jahre alt. Sie ist halb Französin und halb Österreicherin und hat Tourismus Management in Deutschland studiert. Während ihres Erasmus-Semesters in England hat sie sich auf “Tourismus als volkswirtschaftliches Instrument der Armutsverringerung” spezialisiert und anschließend für unterschiedliche Entwicklungshilfeorganisationen im Ausland gearbeitet.

SHADES TOURS ist ein Hybrid zwischen der Sozialwirtschaft und dem Tourismus, es ist ein Social Tourism Business.

SHADES TOURS bietet obdachlosen Menschen eine wertschätzende Beschäftigung an, die sie motiviert aktiv an der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt teilzunehmen. Es werden dazu Touren zu den unterschiedlichen Wiener Sozialeinrichtungen für Obdachlose angeboten. Das besondere hierbei ist, dass diese selbst von Obdachlosen und EinrichtungsleiterInnen geführt werden.

Perrine, wann hast Du die Leidenschaft für „SHADES TOURS” entdeckt?

Im Jahr 2014 habe ich meinen Job gekündigt. Ich spürte einen grundlegenden Motivationsverlust und eine kleine Lebenskrise. Ich habe eines Tages einen Persönlichkeitstest zugeschickt bekommen, den 16personalities.com-Test, welcher auf C.G. Jung basiert.

Heraus kam, in der Rubrik “Karriere”, dass Marketing und Sales meine persönlichen Stärken sind und dass das Soziale meine Leidenschaft ist. So interpretierte ich es, dass ich vielleicht meine innere Ruhe nur dann finde wenn ich diese Elemente verbinde. Aus der Tourismusbranche und dem Entwicklungshilfesektor kommend, war ich somit auf der Suche nach einem Social Tourism Business Konzept.

Perrine Schober

Wie und wo hast du „SHADES TOURS“ entdeckt?

Im Januar 2015 war ich auf der Suche nach Social Tourism Konzepten in Europa und bin auf einen Artikel gestoßen, der „Touren geführt von Obdachlosen“ in Amsterdam, Prag, Barcelona und Berlin präsentierte. Fasziniert von dieser Idee habe ich die Projektleiter angeschrieben, die Touren besucht und mit den örtlichen Guides gesprochen.

Aufgrund meiner Kenntnisse aus der Touristik wusste ich, dass einige besuchte Tourenmodelle in Wien nicht möglich sein würden, da diese am Fremdenführergewerbe „kratzen“ könnten. Nach der ersten Konzepterstellung führten mich meine Wege zu den ersten Leitern von Wiener Sozialeinrichtungen.

Welche Leidenschaft treibt Dich an?

Der Glaube daran, dass es tatsächlich funktionieren kann, motiviert mich jeden Morgen aufs Neue. Und dass ich dieser Aufgabe sowohl gewachsen, als auch mächtig bin. Das ist ein extrem wichtiges Detail, denn in der Selbstständigkeit gibt es immer wieder Momente des Zweifeilens und, wenn man sich in diesen Momenten diese Sicherheit immer wieder holt, dann gibt es einem die notwendige Motivation zur Implementierung.

Und warum ist es dann genau dieses Projekt geworden?

Hätte man mir vor 5 Jahren gesagt, dass ich irgendwann mal selbstständig sein und mit Obdachlosen arbeiten würde, so hätte ich es nicht geglaubt.

Die Entscheidung SHADES TOURS zu implementieren war sowohl eine rationale als auch emotionale Entscheidung.

Der Glaube, dass das Gesamtprojekt (in seiner Gesamtheit mit allen Ober- und Unterzielen) funktionieren kann; die Evaluierung der eigenen Fähigkeiten; und das Wissen, dass es mich mehr Zeit als Geld kosten wird, haben dazu geführt, dass ich mich getraut habe. Hätte es eine hohe Kapitalinvestition benötigt, hätte ich es wahrscheinlich nicht gewagt.

Was würde der Welt abgehen, wenn es euch nicht geben würde?

(Lacht.) Der Welt würde wahrscheinlich nichts abgehen. Mir und den Guides jedoch sehr viel. Den Tourenteilnehmern bietet SHADES TOURS eine Möglichkeit zur Information, Aufklärung und Engagement an–eine unvergessliche und bereichernde Erfahrung.

Worauf verzichtest Du, um Deine Leidenschaft ausleben zu können?

Nur weil SHADES TOURS meine Leidenschaft und Arbeit gleichzeitig ist, heißt es nicht, dass ich keine normale Gründerin bin.

Hierzu zählt, dass ich weniger Zeit für Familie und Freunde investiere, weniger fernsehe, weniger ausgehe, usw.

SHADES TOURS ist in jedem meiner Atemzüge und mein ständiger Begleiter.

Mit SHADES TOURS verzichte ich auf ein geregeltes Angestelltenverhältnis, auf die Sicherheit eines Gehaltes, auf die Sicherheit mit 18:00 in den Feierabend zu gehen. Aber das sind die Selbstverständlichkeiten, die man auf sich nimmt, wenn man sich für die Selbstständigkeit entscheidet. Somit würde ich nicht sagen, dass ich wirklich auf etwas verzichte.

Was ist eigentlich das Schönste bei Deiner Arbeit?

Das Schönste an meiner Arbeit ist zu sehen, wie das Projekt Form annimmt und wie jeder Stakeholder darin etwas Positives für sich gewinnt–die Erstellung eines Gemeinschaftsprojektes.

Jeder Tag ist einmalig und kein Tag gleicht einem anderen. Tage und Wochen vergehen wie im Flug. Ein Element gehört jedoch zu jedem einzelnen Tag dazu: die Energie und der Elan, die mich in der Früh aus dem Bett kitzeln.

Wer sind Deine wichtigsten und stärksten Unterstützer?

Die, die an mich und SHADES TOURS glauben. Das sind sowohl die Guides, die Einrichtungsleiter, die Sozialträger, aber auch jeder einzelne SHADES TOURS Teilnehmer, der von unserer Arbeit begeistert ist.

Wer baut Dich auf, wenn es einmal nicht so klappt?

Mein Freund, Mentoren und Freunde vom Impact Hub Vienna versuchen mich aufzubauen, wenn ich Sorgen habe. Ich habe jedoch einen Weg gefunden, mich selbst aufzubauen und mir selbst die Sätze aufzusagen, die ich brauche. Das ist mein eigenes kleines Mantra.

Wohin wird Dich deine Arbeit noch bringen? Gibt es noch geheime Projekte?

Zwar ist es nicht geheim, aber ich habe es noch viel zu selten erwähnt. Ich möchte SHADES TOURS als internationale Marke positionieren, um zukünftigen Social Entrepreneurs das zu bieten, wonach ich vor einem Jahr gesucht hatte. Eine Marke, der man sich mit seinem eigenen Projekt unterstellen und somit seine ganze Kraft in das Operative stecken kann.

Wie gelingt es Dir Menschen für Deine Leidenschaft zu begeistern?

Wenn man von seiner Leidenschaft auf einer rationalen und verständlichen Ebene erzählt, so erkennen Zuhörer nicht nur das Leuchten in deinen Augen, sondern verstehen auch den Sinn dahinter.

Was sagen eigentlich Deine Freunde, Dein Umfeld, Deine Familien zu diesem Engagement?

Sehr unterschiedlich. Mein persönliches Umfeld war anfangs sehr skeptisch gegenüber SHADES TOURS. Erst als ich von fachkundigen Einschätzungen erzählen konnte, wurden sie beschwichtigt. Seit dem medialen Rückenwind sind alle begeistert und unterstützend, jedoch weiterhin noch in der Position zu sehen, ob es ein Hobby ist oder ein tatsächlicher Job.

Hast Du Tipps für unsere LeserInnen?

Ja klar. 1) Nicht Freunde, Bekannte und Familie nach Einschätzungen fragen, sondern mit fachkundigen Personen sprechen.
2) Sich trauen! Trauen mit fachkundigen Personen Kontakt aufzunehmen (Email an Unbekannte verschicken, Telefonanrufe zu tätigen) und sie bitten sich Zeit zu nehmen, um euren Ideen zu lauschen.

Hast Du für unsere LeserInnen eine Buchempfehlung?

Im Moment lese ich „Start something that matters“ von Blake Mycoskie, der Social Entrepreneur von TOMS. Es ist eine angenehme Bett- und U-Bahn-Lektüre, die perfekt in die Gründungsphase von SHADES TOURS passt.

Wen sollten wir noch für „way to passion“ interviewen?

Tobias Judmaier von Iss Mich!

Weitere Informationen: www.shades-tours.com
Oder auf www.facebook.com/shadestours


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