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Rita Huber: “Meine Leidenschaften sind Kochen, Essen und Lachen, also das, was ich immer und überall von Herzen gerne tue.”

Rita Huber kommt aus dem wunderschönen  Salzburger Land. Sie hat Filmwissenschaft und Komparatistik in Wien studiert. Nach dem Studium ging es für Rita einmal in den Kunst- und Kulturbereich. Zu den Tätigkeiten zählten unter anderem Produktionsleitung für Kino unter Sternen am Karlsplatz, Assistenz Pressebüro Salzburger Festspiele, Produktionen für FM4, Ö1, Mischief Films, u.v.m. Und dann ist die Idee aufgekommen einen vegetarischen Lieferservice aufzuziehen. Und im Februar 2014 war es dann soweit. Gemeinsam mit Gerald Költringer wurde Rita bringt´s gegründet und schon im April wurden die ersten Kunden mit vegetarischem BIO Essen verwöhnt. Die Auslieferung erfolgt vom ersten Tag an mit dem Lastenrad.

Wie würdest Du Dich beschreiben und was versteckt sich hinter Rita bringt´s?

Am zufriedensten bin ich, wenn ich gut gegessen habe. Meistens bin ich also sehr zufrieden. Und wenn dem nicht so ist, bin ich optimistisch genug, um mich immer noch glücklich zu schätzen. Was ich gar nicht mag, sind pessimistisch denkende Menschen und „Owizahra“ und wenn mir jemand vorsätzlich ins Gesicht lügt. Außerdem mag ich Kühe und ihre Umgebung – Wiesen, Alm und Berge. Ich bin fürchterlich emotional, mich kann ein positives oder negatives Wort meines Gegenübers genauso schnell zu Tränen rühren wie ein guter Gedanke, eine schöne Erinnerung oder ein guter Film.

Rita bringt’s ist Wiens erster Lieferservice für vegetarisches BIO Mittagessen, per Lastenrad geliefert. Wir haben ein von der Vorbestellung der Speisen über ihre Zubereitung und Auslieferung, bis hin zu den biologisch abbaubaren Verpackungen nachhaltiges Konzept aufgebaut, bei dem es uns zudem wichtig ist, dass auch unsere derzeit 23 Mitarbeiter/innen fair angestellt und entlohnt werden. Wir kochen mit besten BIO Zutaten und arbeiten vor allem mit Wertschätzung für das, was wir tun.

Was treibt Dich an?

Ein schier unendlicher Tatendrang, manche nennen es Rastlosigkeit. Die Lust, wirklich viel zu arbeiten und damit etwas zu bewegen. Die Liebe zu dem, was ich tue und damit ändern kann und nicht zuletzt der Wille, von einem nachhaltig arbeitenden Unternehmenskonzept leben zu können.

Welche Bedeutung hat gesunde Ernährung für Dich?

Gesunde Ernährung hat einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben, schon seit dem Kindesalter. Ich wurde von meiner Mutter dahingehend geprägt – sie hat mir bis zu meiner Matura täglich eine gesunde Jause für die Schule vorbereitet (teilweise sogar eigepackt oder bis zur Haustür nachgetragen), wenn ich wieder nachhause gekommen bin, hat auf mich jeden Tag ein frisch gekochtes Essen gewartet. Da gab’s kein Cola, keine Chips und kein fettiges Essen und mir hat wirklich nix gefehlt. Wertvolle Zutaten und eine gesunde Zubereitung waren selbstverständlich. Dass das nicht selbstverständlich ist, habe ich erst in meiner Zeit als Studentin in Wien gelernt, aber versuche seit dem Tag die von zuhause gewohnte Qualität beizubehalten.

Welchen Stellenwert nehmen Lebensmittel in deinem Leben ein?

Ich beschäftige mich nicht nur beruflich, sondern auch privat am liebsten damit. Egal, ob es um Land- und Viehwirtschaft, Einkauf, Herkunft, Geschichte oder ihre Verarbeitung in der Küche dreht, Lebensmittel interessieren mich brennend, im ernährungstheoretischen, chemischen, gesellschaftlichen, philosophischen oder kulturellen Sinne.

Bei rita bringt´s versuchst du ja in allen Bereichen einen neuen und vor allem sehr nachhaltigen Weg zu gehen. Warum in dieser Ganzheitlichkeit?

Weil es logisch ist. Weil wir ein Konzept in die Welt setzen wollten, bei dem ein sinnvoller Gedanke den nächsten ergibt. Weil wir uns für nichts rechtfertigen müssen und auch niemanden anlügen müssen, wenn wir erklären, was wir tun. Weil wir eine Marke aufbauen wollten, der man bedingungslos vertrauen kann. Weil wir Meilensteine setzen wollen und weil ich vor allem mit meiner Persönlichkeit und meinen Werten, nicht zuletzt mit meinem Namen dafür einstehe.

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Warum vegetarisch? Warum bio?

Vegetarisch, weil ich mich seit ca. 15 Jahren vegetarisch ernähre. Ich habe vom Elternhaus einen sehr bodenständigen Bezug zu Viehhaltung und Landwirtschaft mitbekommen, gelernt, was woher kommt und warum. Meine Entscheidung, fleischlos zu leben, kam nach und nach, weniger aus ethischen Gründen, aber vielmehr aus geschmacklichen, ich wollte einfach kein Fleisch mehr essen, mir hat davor gegraut. Für mich bedeutet eine vegetarische ausgewogene Ernährung ein gesundes Leben (ich war seit meinem 12. Lebensjahr nicht mehr krank), vegetarisch oder vegan bezieht sich außerdem nicht mehr nur auf unser Essen, sondern für mich auch auf eine Lebenseinstellung, eine bedachte Haltung gegenüber Mensch und Tier und allem Leben. BIO, weil es einfach die schonendere und gesündere Anbauweise für Boden und Mensch ist. 100% BIO, weil wir eine Marke sein wollen, der man ohne Kompromiss und Sternderl vertrauen kann.
Wir sind der Meinung, dass unser Essen damit gerade für jene, die täglich viele Stunden im Büro verbringen, eine gute Entscheidung ist, um danach mit neuer Energie weiterzuarbeiten.

Hat es für „Rita bringt´s“ einen bestimmten Auslöser gegeben?

Die Initiative kam im Februar 2014 von meinem Schwager Gerald, der bei einer Recherche festgestellt hat, dass es so ein ganzheitliches Angebot in Wien noch nicht gab. Wir haben schon mal zusammengearbeitet, haben eine sehr ähnliche Arbeitsmoral und er wusste von mir, dass ich in meinem damaligen Arbeitsumfeld nicht sonderlich zufrieden war. Er hat mich gefragt, ob wir so etwas gemeinsam machen wollen und hat damit offenbar bei mir einen roten Schalter umgelegt – ich wollte sofort und für uns waren rasch die Grundprinzipien klar. Innerhalb von zwei Monaten haben wir alles aufgebaut, der 1. April 2014 ist der Geburtstag von RITA bringt’s, an dem wir quasi von einem auf den anderen Tag für 40 Personen gekocht und geliefert haben.

Wo siehst Du dich in den nächsten Jahren?

Kurzfristig wollen wir gerade alles verbessern, was wir uns in sehr kurzer Zeit angefangen haben. Prozesse optimieren, Abläufe verkürzen, Strukturen stabilisieren. Damit denken wir dann längerfristig an ein Franchise Konzept im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. In welches Spezialgebiet es mich damit treibt, ist für mich noch unklar, uns stehen wirklich viele Herausforderungen bevor, auf die ich mich freue. In den nächsten Jahren – die Frage ist sehr weit gegriffen. Ich bin noch keine 30, aber in den nächsten vielen Jahren sehe ich mich zumindest nicht mehr in der Stadt, sondern am Land, mit mehr Platz, mehr Luft, mehr Wiese, mehr Berg.

Was sind denn so die größten Hürden die es zu bezwingen gilt?

Ich mag die (anfänglichen) Hürden von Jungunternehmer/innen gar nicht auf konkrete Beispiele beziehen, viel mehr auf andauernde Prozesse. Für mich persönlich geht es kontinuierlich um konsequente Selbstorganisation. Wenn man das gut im Griff hat, arbeitet es sich leichter – egal in welchen Bereichen des täglichen oder nicht alltäglichen Arbeitens ist das für mich sehr oft eine Herausforderung. Ein Führungsstil, mit dem man selbst gut zurande kommt, ist wichtig, den erlernt man auch erst im Umgang mit Mitarbeiter/innen und mit sich selbst – ich zumindest. Bei jedem Rückschlag braucht es nicht nur Halt vom persönlichen Umfeld, sondern vor allem genug Selbstbewusstsein und Selbstmotivation, um doch nicht liegen zu bleiben, sondern wieder vom Boden aufzustehen und weiterzumachen, egal wie müde, demotiviert, enttäuscht, geknickt man ist. Am Ende (und auch am Anfang) geht es natürlich auch um den finanziellen Aspekt. Wir sind kein „klassisches“ Startup, das einen Raketenstart hinlegt, einen Haufen Gewinn macht und innerhalb von zwei Jahren verkauft. Wir sind ein nachhaltig arbeitendes junges Unternehmen, das bedeutet auch, dass wir unsere Arbeitsplätze auch in 10 Jahren noch anbieten wollen. Wir werden damit nie reich werden, vor allem dauert es länger, bis wir überhaupt davon leben können. Das braucht einen langen Atem und die Bereitschaft auf Vieles zu verzichten.

Bist Du ein neugieriger Mensch? Wenn ja, wie zeigt sich das konkret?

Ja sehr. Mich interessiert prinzipiell alles. Ich habe auch überlegt, zum Beispiel Physik zu studieren, weil mich die Materie unendlich fasziniert – habe dann aber festgestellt, dass mir dafür in der Tiefe das Vorwissen und die nötige Denkweise fehlt. Ich hinterfrage gerne alles, womit ich zu tun habe, wenn ich das auch nicht laut mache, sondern einfach oft lange über etwas nachdenke, um mir danach eine Meinung zu bilden oder mich weiter zu informieren. Ich bin mit einer Information nicht zufrieden, solange ich sie nicht verstehe – dann merke ich es mir auch nicht. Ich bin an Fakten interessiert und am „Wesen“ der Dinge, an einer intelligenten, kritischen Auseinandersetzung mit unserer Welt und unserem Leben.

Was bedeutet Glück für Dich?

Oh, das ist eine zu große Frage. Ich versuche sie ansatzweise zu beantworten: Glück bedeutet für mich im Großen, dass ich wertschätze und hochhalte, wo ich herkomme, in welches Land, in welche Familie, in welche Zeit, in welches soziale Umfeld ich hineingeboren wurde. Dass ich Verstand und Intellekt habe und gesund bin, nicht zuletzt, dass ich emotional bin. Auf diesen wirklich glücklichen Gegebenheiten, zu denen ich selbst so gar nichts beitragen konnte, baue ich auf und bin nun fähig, seit ich selbst entscheiden kann, etwas dafür zu leisten, um diese zu erhalten.
Dann gibt es glückliche Momente. An diesen sind für mich meist auch andere beteiligt, denn Glück ist doch am Schönsten, wenn man es teilen kann. Und da zählen für mich die kleinen Dinge: Herzliches Lachen, die ersten Frühlingsblumen, körperlicher Kontakt, das Verhalten junger Tiere und kleiner Kinder, Sonne im Gesicht, der Moment, wenn man ein Geschenk übergibt, nicht zuletzt richtig gutes Essen.

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Was würde der Welt abgehen, wenn es euch nicht geben würde?

Der Welt? Die meisten Milliarden Menschen dieser Erde wissen gar nicht von uns, insofern nichts. Ein paar Tausende hätten aber ein Gesprächsthema weniger, einige Hunderte würden täglich oder immer wieder mal nur Zeug statt gutem Essen zu sich nehmen. Und etwas mehr als zwei Dutzend hätten einen anderen oder keinen Job.

Worauf verzichtest Du, um Deine Leidenschaft ausleben zu können?

Meine Leidenschaften sind Kochen, Essen und Lachen, also das, was ich immer und überall von Herzen gerne tue. Dafür muss ich dankenswerterweise auf nichts verzichten. Wenn es darum gehen soll, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht hätte, dann muss ich sagen, dass meine Arbeit und mein Unternehmen nicht meine Leidenschaft, sondern mein Leben geworden sind. Dazu gehört, dass man das, was man am Liebsten tut, im Alltag für das Unternehmen nicht mehr macht, in meinem Fall kochen. Würde ich mich nur darauf konzentrieren, gäbe es keinen Fortschritt, deshalb, um die Frage zu beantworten: ich verzichte aufs Kochen, um das Unternehmen weiterzubringen, aber hole das oft zuhause nach oder dann, wenn ich ganz allein in der ganz großen Küche bin, den Kopf frei habe oder frei bekommen möchte und um mal still zu sein.

Viel wird derzeit in Österreich über Start Ups geredet. Kaum ein Tag vergeht ohne einer neuen Initiative. Wie siehst Du Österreich als Start Up Land?

Unser Konzept funktioniert in Österreich und vor allem in Wien sehr gut. Als junges Unternehmen und Gründer standen wir natürlich vor einigen bürokratischen und finanziellen Hürden, die es zu überwinden galt, einiges war ärgerlich und einige Umstände auch vermeidbar. Wir haben ziemlich viel Leer- und Lehrgeld bezahlt, weil an manchen Ecken einfach die Beratung gefehlt hat – aber meist auch nur deshalb, weil’s sonst auch niemand besser gewusst hat als wir.
Man muss dazu sagen, dass von der Idee bis zur Umsetzung bei uns tatsächlich nur zwei Monate vergangen sind, da war keine Zeit für lange Wege oder viel Herumüberlegen, wir haben’s einfach gemacht. Recht schmerzlich war dann die Erkenntnis, dass wir durch manche Förderprogramme gefallen sind, weil diese nur dann greifen, wenn das Projekt in Planung ist und nicht bereits in der Umsetzung. Darauf bezogen bleibt zu sagen – man möchte als junges Unternehmen von Stadt, Land, Politik und Wirtschaft zu jedem Zeitpunkt unterstützt werden, man sucht da keine Almosen, sondern hat eh schon einen Haufen Mut aufgebracht, um das überhaupt durchzuziehen, da braucht man wirklich keine schiefen Ansagen oder schwindlige Begründungen. Aber dann, wenn man mal erfolgreich ist, klopfen einem alle auf die Schultern und der Wirtschaftsstandort rühmt sich, so viele Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Na, wer hat die denn geschaffen, die Wirtschaftskammer vielleicht? Ich glaube, das waren und sind dann doch die (jungen) Unternehmen. Da kann ich nur ganz radikal fordern: runter mit den Lohnnebenkosten, die brechen einem das Genick, vor allem, wenn man faire Arbeitsverhältnisse anbieten will.
Naja, wir sind nur teilweise ein Startup, denn die „Definition“ schließt meist auch ein, dass man das Unternehmen nach zwei oder drei Jahren gewinnbringend verkauft. Das ist bei uns wahrlich nicht der Fall, wir denken das Unternehmen weiter, wir stecken so tief in der Materie, es hat so viel Potential, um noch unendlich viele Ideen weiterzuentwickeln – da denken wir nicht an was Neues, Anderes, viel wichtiger ist uns ein nachhaltiges Arbeiten auf allen Ebenen und das ist bei vielen Startups einfach nicht der Fall, weil sie kurzlebig sind und das Konzept auch nicht nachhaltig angesetzt ist.

Was braucht´s an Unterstützung um zu einem echten und vielfältigen Start Up Land zu kommen?

Wie schon zuvor erwähnt. Daran anknüpfend – die Erleichterung für Startups, die im Frühjahr dieses Jahres vorgestellt wurden, sind fein, aber warum gelten sie nicht für alle Neugründungen? Sie beziehen sich vorwiegend auf die Tech- und IT Szene, deren Natur es ist, schnell, innovativ und meist auch ohne viel Personalaufwand zu arbeiten. Warum fallen Gastro Startups, Kulturinitiativen, soziale Unternehmen nicht darunter? Weil sie einfach länger und mehr „Pflege“ brauchen um zu wachsen und die Gewinne nicht (sofort) so hoch sind. Ich sag nur BIO Gemüse, da ist’s ähnlich. Schmecken tut’s besser, gesünder ist’s auch – und zwar nicht nur für den menschlichen Körper, sondern für die gesamte Umwelt. Es braucht halt mehr Zuneigung.

Welchen Stellenwert nimmt das Themenfeld Entrepreneurship bei Dir ein?

Wenn man Entrepreneurship in seiner Definition versteht, dass man den Willen und die Kraft aufbringt, Dinge auf die Beine zu stellen, Ideen zu verwirklichen und etwas zum Laufen zu bringen, mit dem Ziel, damit Geld zu verdienen, egal, welche Risiken einen erwarten – dann ist dass mein tägliches Thema. Wir arbeiten seit nunmehr zweieinhalb Jahren daran, mit einem nachhaltigen Unternehmen Geld zu verdienen, nein, von unserem nachhaltigen Unternehmen zu leben. Das ist bei den sich fast täglich ändernden Einkaufspreisen für Lebensmittel, den niedrigen Margen in der (BIO) Gastronomie, der eher geringen Kaufbereitschaft und den teilweise unberechenbaren Problematiken des Tagesgeschäfts eine größere Herausforderung, als sie bei erster Betrachtung klingen mag. Derzeit leben unsere Mitarbeiter/innen davon.
Zugegeben, wir sind ziemlich naiv in die Materie quer-eingestiegen. Aber, und hier komme ich auf die Frage zurück, wir sind realistisch, wir träumen nicht. Wir glauben fest daran, dass das, was wir gepflanzt haben, guten Ertrag bringen wird, wir sprechen nicht von Überfluss. Und wenn ich von Glauben spreche, dann halte ich’s gern mit Anselm Grün: Selbstvertrauen ist göttlich. Wir glauben also an uns selbst, vertrauen auf unsere Fähigkeiten, Stärken und unseren Elan, daran, dass wir das Kind schaukeln können, egal was kommt.

Was ist eigentlich das Schönste bei Deiner Arbeit?

Das Gemüse.

Ich wollte die Antwort eigentlich so stehen lassen, aber ich muss sie doch noch ein bisschen erläutern. Die Arbeit in der Küche ist die Unmittelbarste, die ich je erlebt habe: man hat ein Lebensmittel, das über lange Zeit gediehen ist und geerntet wurde. Das ist das erste Ergebnis der Landwirtschaft, das zu uns kommt. Jetzt kann ich mit meinen eigenen Händen und mit einer Portion Kreativität herbeiführen, dass etwas Besonderes daraus wird. Ich schicke das per Lastenrad und Muskelkraft zu unseren Kund/innen und kann Vieles bewirken: Hunger stillen, Freude hervorrufen (unter anderem auch, weil ich behaupte, dass die Unseren die schönsten FahrradbotInnen sind…) Glücksgefühle sind oft beim Genuss dabei und unser Essen fördert die Gesundheit und damit auch das Wohlbefinden. Die Speise ist verzehrt und in vielen Fällen bekomme ich rasch Rückmeldung. Das ist ein Arbeitsprozess, der innerhalb weniger Stunden abgeschlossen ist und ein (meist) zufriedenstellendes Ergebnis bringt. Das wollen wir doch alle, oder?
Das klingt jetzt ziemlich romantisch. Um das abzuschwächen: Küchenarbeit ist verdammt hart. Es ist brütend heiß (ich zähle 12 Brandnarben auf meinen Unterarmen), man ist ständig auf den Beinen, es muss immer schnell gehen, man schleppt, hievt, beansprucht jeden einzelnen Muskel und kleinste Fehler werden nicht verziehen. Man muss geistig und körperlich ein Viech sein, um in einer Küche (jeder Größe) arbeiten zu können.
Aber, um auf’s Gemüse zurückzukommen: ich beschäftige mich damit täglich, stündlich, jeden Moment. Egal, ob ich es selbst am Balkon anzubauen versuche, alte und neue Sorten entdecke, die Zutaten einkaufe, neue Kreationen ausprobiere, darüber schreibe, daran rieche, den Biomüll entsorge, die Speisen esse. Gemüse, Früchte, unsere Lebensmittel, die sind das Schönste.

Wer ist Deine wichtigsten und stärksten Unterstützer?

Meine großartigen Eltern, die mir Vieles ermöglicht haben. Mein Vater, den ich gern hervorhebe, obwohl wir im Alltag wenig voneinander hören, aber er hat mich mit seiner Lebensweise und Einstellung zur Arbeit sehr geprägt und jedes Mal, wenn wir uns sehen und miteinander reden, ziehe ich neue Energie aus seinen Worten und vor allem seinen Fragen – die stellt mir sonst einfach niemand und sie zwingen mich im positiven Sinne zum Nachdenken, Umdenken und Verändern. Meine lieben Schwestern, die auf alle Fragen Antworten wissen, weil sie das Meiste selbst schon erlebt haben und mir so ähnlich, wenn auch so anders sind. Meine Freunde, die ich mittlerweile an einer Hand abzählen kann, wirklich selten sehe, aber denen ich emotional und rational verbunden bin. Mein Freund, der mich ins Bett bringt, wenn ich schon wieder am Tisch eingeschlafen bin, der mich trotz seines eigenen übersprudelnden Charakters beruhigen kann und der prinzipiell alles gut findet, was ich tue, mit dem leisen Hinweis, etwas noch besser zu machen.

Wer baut Dich auf, wenn es einmal nicht so klappt?

Letzterer. Manchmal auch der Wein.

Wohin wird Dich deine Arbeit noch bringen? Gibt es noch geheime Projekte?

Geheim nicht. Aber viele Ideen. Ich weiß es nicht, um ehrlich zu sein, momentan ist noch Vieles offen und ungewiss, das stört mich aber nicht. Es gibt viele Dinge, die ich gern machen möchte, die mit Gastro, BIO Lebensmitteln, nachhaltigem Leben, aber auch Kunst zu tun haben – ich bin auf manches Talent und viel Eifer aufmerksam geworden, das möchte ich gern vertiefen oder überhaupt ausprobieren. Erfolg spielt auch eine Rolle, Vieles habe ich erreicht, was ich mir nie erträumt hätte, aber mindestens 90% habe ich noch vor mir, weil ich meist unzufrieden mit dem Ergebnis bin, das bedeutet, dass ich’s immer besser machen möchte, was ich als positiv empfinde. Wenn ich nichts mehr zu arbeiten habe, dann sterbe ich, das ist klar.

Wie gelingt es Dir Menschen für Deine Leidenschaft zu begeistern?

Also das weiß ich wirklich nicht, das ist mir sogar ein Rätsel, wie das so oft schon funktionieren konnte. Ich glaube, ich habe viele Lachfalten, die vielleicht Freude hervorrufen…

Was sagen eigentlich Deine Freunde, Dein Umfeld, Deine Familien zu diesem Engagement?

Soweit ich das weiß, befürworten alle die Initiative und das Ergebnis. Dass das manchmal mehr als Engagement, nämlich Überforderung und Überlastung bedeutet, ist nicht immer förderlich. Dann betone ich aber, dass ich noch immer gut schlafe und immer lachen kann, dann verstehen’s die meisten.

Hast Du Tipps für unsere LeserInnen?

Einfach machen.

Hast Du einen Wunsch?

Ein kleiner Lottogewinn wäre nett und würde Manches einfacher machen. Alles andere brauch ich mir nicht wünschen, das muss ich schon selber machen.

Hast Du für unsere LeserInnen eine Buchempfehlung, einen Web Tipp, einen Tipp für einen inspirierenden Platz, …?

Eine Reise nach Georgien. Wenn’s nicht so weit treibt, lade ich nach Salzburg auf eine Almwanderung ein.

Wen sollten wir noch für „way to passion“ interviewen?

Eine/n Landwirt/in der jungen Generation.

…gibt es sonst noch Geschichten, Erfahrungen die du uns erzählen willst?!?

immer gern, am besten bei einem gemeinsamen Abendessen oder einem Glas Wein.

 

Danke für die Bilder: @Paul Kranzler, mit Dank an die Erste Bank und Sparkasse


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