Katharina Moser by Sascha Osaka_ret

Katharina Moser: “Europa liegt so viel näher als wir immer glauben.”

Am liebsten bezeichnet sich Katharina Moser als “gesellschaftspolitische Unternehmerin”, selbst wenn es diesen Beruf vielleicht noch nicht gab. Sie kommt aus Salzburg und lebt seit 2003 in Wien. Während eines Europäischen Freiwilligendienst in Madrid entdeckte sie ihre Liebe zu Europa in all seinen Unterschieden. 2009 veröffentlichte sie während ihres Studiums in Wien das Buch „Servus, Bussi und Baba – und was Europäer sonst noch ‚typisch österreichisch’ finden“. Nach Stops beim Österreichischen Außenministerium, dem British Council London und dem Europäischen Forum Alpbach, wagte sie sich 2015 ans Unternehmertum und gründete ihre eigene Agentur MOSAIK: Der Name steht für viele einzelnen Teile, die ein großes Ganzes bilden – so wie Europa. MOSAIK setzt sich mit unkonventionellen Produkten und Projekten für eine positive europäische Identität ein. Nach dem Storytelling-Kartenspiel zu Europa KOMM ZU MIR!, arbeitet sie aktuell an dem Großevent “Route28 – die Europareise mitten in Wien”, das am 6. Mai 2017 in Wien stattfinden wird und Europa für einen Tag in die Stadt holt. Nebenbei schreibt Katharina Artikel und Kolumnen für unterschiedliche Zeitungen.

Die Agentur “MOSAIK – European Communication Projects” wurde 2015 gegründet und entwickelt Produkte und Projekte, die eine europäische Identität stärken sollen. Beim Storytelling-Kartenspiel zu Europa KOMM ZU MIR! hat man mit skurrilen Fun Facts zu europäischen Ländern Spaß an Europa. (Aktuell auf Deutsch, Englisch und Französisch erhältlich). Neben Route28, sind Projekte, die in Kooperation mit MOSAIK entstanden, die Motivationsbroschüre für Jugendliche in Europa “Who, if not us?” oder die Deutsch-Lernplakate für Flüchtlinge Wallpaperforrefugees.

Was treibt Dich im Leben an?

Die große Freude, Dinge zusammen zu bringen, die sonst in dieser Konstellation nicht zusammen wären und die gemeinsam etwas Neues ergeben. Mit motivierten und inspirierenden Menschen arbeiten zu können und gemeinsam etwas zu kreieren. Und eine Art Grundvertrauen ins Leben und die Menschen.

Wann hast Du genau dieses Projekt für Dich entdeckt?

Beim Mittagessen mit einem Freund vor gut zwei Jahren. Er hatte mitbekommen, dass ich mich schon lange mit dem Thema Europa beschäftige und wir haben uns gefragt, warum wir uns eigentlich europäisch fühlen und was das ausmacht. Die Antworten waren sehr persönlich. Da geht es um Erlebnisse, Geschichten, Menschen. Darum, dass man im Ausland gelebt hat, auf Reisen war, sich verliebt hat, andere Sprachen gelernt hat, sich in der Fremde zurechtfinden musste. Daraus ist die Idee entstanden, dieses Erlebnis auch Menschen zugänglich zu machen, die nicht so viel unterwegs sind – indem man die Reise in ihre eigene Stadt bringt. Das war der Anfang von Route28.

Warum ist es MOSAIK geworden?

MOSAIK hat mir irgendwie unter den Nägeln gebrannt. Es war und ist mein Versuch mein Leben kreativer und eigenständiger gestalten zu können und meine Zeit und Energie in Projekte zu investieren, die für mich – und hoffentlich auch andere – sinnstiftend sind.

Was fasziniert dich denn so an Europa?

Ich war schon immer angetan von der Idee, dass viele kleine Elemente, die an sich sehr unterschiedlich sind, gemeinsam ein stimmiges Ganzes ergeben können. So sehe ich Europa auch. Was mich an Europa daher schon immer fasziniert hat, waren die Unterschiede. Schon allein in Wien braucht man ja nur ein, zwei Stunden fahren und schon ist man in komplett unterschiedlichen Ländern, Sprachräumen, Kulturen.

Wenn Du Europa hörst, was sind da so Deine Gedanken, was kommt Dir da in den Sinn?

Viel. Am besten lässt es sich wohl zusammenfassen mit dem Motto der Europäischen Union – auch wenn es mir wichtig ist, zu betonen, dass ich mit meiner Arbeit nicht die EU erklären oder promoten möchte, sondern die ihr zugrunde liegende Basis der europäischen Identität stärken will. Aber ja, “Vereint in der Vielfalt”, trifft es in dem Fall am besten.

Gibt´s für Dich einen typisch europäischen Platz in Europa?

Ich glaube, Europa liegt so viel näher als wir immer glauben. Ich schreibe regelmäßig über Spuren europäischer Länder in Wien. Und in den meisten Fällen muss man nicht lang suchen. Sei es die venezianische Tapas-Bar mit dem herzlichsten italienischen Besitzer, eine urige polnische Spelunke mitten im 15. oder die Pub-Quizzes in einem der unzähligen Irish-Pubs. Europa liegt weniger an einem Ort, als in unserem Blick, den wir dafür öffnen müssen.

Erzähl uns Deine drei ganz persönlichen Wünsche für Europa?

Mehr Interesse aneinander. Mehr Empathie füreinander. Mehr Kooperationsbereitschaft miteinander.

Wie schauen so die nächsten Schritte mit MOSAIK aus?

Am Samstag, dem 6. Mai stellen wir die Route28 – Die Europareise mitten in Wien zum ersten Mal in dieser Dimension auf und wollen unseren TeilnehmerInnen die Möglichkeit geben an insgesamt 15 Länder-Stationen europäische Länder hautnah zu erleben.

Du bist ja mit Deiner Initiative im Impact Hub angesiedelt. Was fasziniert Dich so an der Arbeit im Hub?

Der Hub ist nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Support-Netzwerk und inzwischen sogar Freundeskreis geworden. Es gibt jede Menge Menschen im Hub, die mich inspiriert, motiviert oder unterstützt haben. Und auch ich teile meine wachsende Erfahrung immer gern mit den vielen kreativen und engagierten “Hubbern”.

Bist Du ein neugieriger Mensch?

Oh ja! Wozu sind wir auf der Welt, wenn nicht dazu, sie kennenzulernen, sie uns anzusehen, möglichst viel über sie zu erfahren? Zwei Dinge, auf die ich immer neugierig bin, sind Menschen und neue Orte. Ich mag es, mich in unterschiedlichen Kreisen zu bewegen und finde das Gespräch mit einer Klasse 15-Jähriger Berufsschüler genauso spannend wie ein Abendessen mit hochrangigen Politikern. Und neue Orte erfüllen mich selbst in Wien immer mit einem Anflug von Lebendigkeit – wenn ich durch unbekannte Straßen gehe oder Lokale besuche, in denen ich vorher noch nicht war. Dann ist mein Puzzle der Welt wieder um ein Stück reicher.

Was würde der Welt abgehen, wenn es euch nicht geben würde?

Die Route28? Das werde ich unsere TeilnehmerInnen am 6. Mai fragen und hoffe, dass ihre Antwort sein wird “Ein einzigartiger und unvergesslicher Tag in meinem Leben, an dem ich Europa tatsächlich ein Stück weiter näher kommen konnte.”

Wo findest Du den Raum um Deine Leidenschaft ausleben zu können?

Dort, wo ich Menschen finde, die meine Leidenschaft mit mir teilen und sie mit mir gemeinsam umsetzen.

Worauf verzichtest Du, um Deine Leidenschaft ausleben zu können?

Auf das gute Gefühl, Freitag abends das Büro zu verlassen und in den wohlverdienten Entspannungsmodus umzuschalten. Im Moment antworte ich, wenn mich Leute fragen, wie es mir geht, meist damit, wie es der Route28 geht. Aber ich weiß, dass es im Leben unterschiedliche Phasen gibt und diese intensiven Arbeitsphasen auch etwas ganz Spezielles und Energetisierendes haben.

Was ist eigentlich das Schönste bei Deiner Arbeit?

Die Menschen. Beispielsweise mein Kernteam, mit dem ich im Moment die meiste Zeit verbringe und die mich zumindest zu Mittag von meinem Laptop wegscheuchen. Die unglaublich tolle Erfahrung, mit Menschen, die man einfach richtig gern mag, wirklich produktiv zu sein und dabei auch noch Spaß zu haben. Der Gedanke mit dem, was man tut, andere Menschen zu erreichen und ihnen etwas mitgeben zu können. Und die Menschen, die über die Zeit dazu kommen, und uns in dieser Vision unterstützen.

Wer sind Deine wichtigsten und stärksten Unterstützer?

Ich wiederhole mich, aber: die Menschen. Jede und jeder einzelne aus meinem Kernteam, der und die sich über alle gängigen Arbeitsvereinbarungen hinaus für dieses Projekt engagieren, weil sie selbst daran glauben und ein Teil davon geworden sind. Und die vielen Menschen, die uns dabei helfen, wie zum Beispiel die rund 50 Leute in unserem “Circle of Friends”, die uns am 6. Mai als Guides, Stationsbetreuer und Event Angels zur Seite stehen.

Wer baut Dich auf, wenn es einmal nicht so klappt?

Ich habe eine Handvoll an Menschen, die mich schon lange begleiten und meinen Kern ganz gut kennen. Die sind zwar von Sydney bis London verstreut, aber wenn ich um 3:00 Uhr in der Früh nicht mehr weiter weiß, gibt es dennoch Nummern, die ich anrufen kann. Das ist wohl eines der wertvollsten “Güter”, die man haben kann – gerade als Unternehmer, wo man im Tagesrhythmus mit Herausforderungen konfrontiert ist.

Wohin wird Dich deine Arbeit noch bringen? Gibt es noch geheime Projekte?

Irgendwann wird sie mich wohl nach Europa bringen. Im Moment hab ich ja den blöden “Fehler” begangen, dass ich mir Europa nach Wien geholt habe. Aber eigentlich hätte ich schon Lust wieder mehr zu reisen, herumzukommen, eben, mir die Welt anzuschauen – und letztlich auch die Route28 hoffentlich in andere europäische Städte zu bringen.

Wie gelingt es Dir Menschen für Deine Themen zu begeistern?

Die Frage der Motivation ist für mich eine der schwierigsten und ich habe oft Angst mit dem, was ich tue, allein zu bleiben. Was ich aber glaube, ist, dass Begeisterung begeistert. Und Authentizität. Darum versuche ich ehrlich mit dem umzugehen, was mich bewegt und freue mich über jeden, der einen Teil des Weges mit mir gehen will.

Was sagen eigentlich Deine Freunde, Dein Umfeld, Deine Familien zu diesem Engagement?

Ich würde sagen, dass ich ein sehr unterstützendes Umfeld habe. Das Wissen darum, dass Menschen an einen glauben, ist sicher eine der größten Energiequellen, die man im Leben haben kann.

Hast Du Tipps für unsere LeserInnen?

Na klar, schaut am Samstag, 6. Mai bei der Route28 – Die Europareise mitten in Wien vorbei! Gratis einen Tag lang europäische Länder in Wien erleben, gibt es so schnell nicht wieder. Es gibt noch Plätze unter www.route28.eu

Hast Du einen Wunsch?

Dass wir am Samstag, 6. Mai um 13:00 Uhr vor einem mit TeilnehmerInnen vollen MuseumsQuartier Hof stehen und ich nicht vor lauter Nervosität vergesse, ihnen eine schöne Reise zu wünschen.

Hast Du für unsere LeserInnen eine Buchempfehlung, einen Web Tipp, einen Tipp für einen inspirierenden Platz, …?

Eine Empfehlung in eigener Sache ist die Broschüre “Who, if not us?”, die ich gemeinsam mit elf anderen jungen Europäern geschrieben habe und die im Juni auf deutsch im Knaur Verlag erscheint.
Und ein Buch, das vielleicht nie an Aktualität verliert, ist Stefan Zweigs “Die Welt von gestern”. Ja, ich glaube, das kann man gerade heute wieder empfehlen.

Wen sollten wir noch für „way to passion“ interviewen?

Jemand, deren Worte, Ideen und Taten guttun und inspirieren, sind die einer der wortgewandtesten Frauen, die ich kenne und die ich glücklicherweise zu meinen engsten Freundinnen zählen darf: Lena Raubaum.

 


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