Jonathan Widder hat Liberal Arts, Politikwissenschaft und Soziologie studiert, in Berlin, Prag, Paris und Kiew. Anschließend hat er als freier Journalist unter anderem für Spiegel Online und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gearbeitet und verschiedene Medien-Startups mit aufgebaut. Bei Squirrel News ist er nun zum ersten Mal selbst Gründer.

Wie ist es zu „Squirrel News“ gekommen?

Bei Squirrel News laufen viele Stränge zusammen, die mich schon lange prägen: meine Arbeit als Journalist, die Neugier auf neue Lösungen für soziale Probleme, aber auch das Interesse daran, eine eigene Organisation aufzubauen.

Hat es dafür einen bestimmten Auslöser gegeben? Warum gerade jetzt?

Mit dem lösungsorientierten Journalismus beschäftige ich mich ja schon seit ein paar Jahren, und in der Start-up-Szene habe ich auch meine Erfahrungen gesammelt. Allerdings nicht selbst als Gründer. Im letzten Jahr gab es dann ein paar Entwicklungen, nach denen sehr klar war, dass es in dem damaligen Umfeld nicht mehr weitergehen kann wie bisher. Dann habe ich mich versucht, im Kopf noch mal ganz frei zu machen. Und das Ergebnis war Squirrel News.

Was versteckt sich hinter dem Namen „Squirrel News“?

Squirrel bedeutet ja auf Englisch „Eichhörnchen“ und in diesem Fall ist das ein Symbol für unseren kuratierenden Ansatz: Wir schreiben nicht selbst, sondern sammeln, filtern und verlinken Nachrichten von anderen Medien. Wie ein Eichhörnchen Nüsse sammelt, so sammeln wir lösungsorientierte Nachrichten. Davon abgesehen wollte ich aber auch einen unterhaltsamen Namen, der dafür sorgt, dass man sich selbst nicht zu wichtig nimmt. Journalisten, die sich selbst zu wichtig nehmen, gibt es schon zu viele, fand ich.

Welche Rolle spielt Journalismus, wenn es um Fragen der Nachhaltigkeit, Fairness, Optimismus, Lösungen, … geht?

Eine ganz entscheidende. Die Medien haben einen maßgeblichen Einfluss darauf, wie wir die Welt wahrnehmen, was wir wissen und welche Handlungsoptionen wir überhaupt kennen. Dass Journalismus wichtig ist, um Unrecht, Korruption und Machtmissbrauch aufzudecken, ist hinreichend bekannt. Gleichzeitig muss er aber auch Beispiele transportieren, wie eine gute, faire, nachhaltige Gesellschaft möglich ist, also Lösungen und Lösungsansätze. Diese Art der Berichterstattung ist immer noch vergleichsweise dürftig. Deshalb richten wir mit Squirrel News unser Brennglas darauf.

Gibt es zu wenige gute Nachrichten, oder wird einfach zu wenig darüber berichtet?

Es gibt definitiv viel mehr spannende konstruktive Geschichten und Entwicklungen als Berichte darüber. Das merken wir alleine schon an unserer englischen Ausgabe, wo wir immer wieder starke Themen und Artikel haben, die in der deutschen Medienlandschaft gar nicht aufgegriffen werden.

Wo seht ihr Euch in den nächsten Jahren?

Ich denke, wir werden stetig wachsen und Squirrel News hoffentlich bei vielen als Marke ihres Vertrauens etabliert haben.

Was treibt Dich an?

Sagen wir: eine Mischung aus Neugier und dem Bedürfnis nach einer guten Routine.

Was macht Dich persönlich aus?

Das ist eine schwierige, große Frage. Auch hier würde ich sagen: Eine Mischung aus Neugier und Risikobereitschaft und einer Sehnsucht nach Verlässlichkeit und Beständigkeit. Dazu kommt ein großes Interesse an Sprachen und Kulturen, Büchern, Musik, Sport.

Was waren die Eckpfeiler, die dazu geführt haben dich dorthin zu bringen wo Du jetzt bist?

Leidenschaft für guten Journalismus, eine ordentliche Portion Optimismus, und die Lust, immer wieder Neues auszuprobieren.

Was würde der Welt abgehen, wenn es Dich nicht geben würde?

Viel Humor und eine coole App. Aber das Wichtigste ist wahrscheinlich für die eigenen Kinder ein guter Vater zu sein.

Wer sind Deine wichtigsten Unterstützer?

Meine Frau, meine Freunde, und bei Squirrel News natürlich unser tolles Team!

Leidenschaft schafft Leiden. Ist da bei Dir auch so? Wenn ja, welche?

Eigentlich war mir Nachrichtenjournalismus immer zu hektisch. Jetzt stecke ich selbst mitten drin und würde mir etwas öfter eine ruhige, gemütliche Mittagspause wünschen.

Was sagen eigentlich Deine Freunde, Dein Umfeld, Deine Familie zu diesem Engagement?

Die finden es gut. Die erste und wichtigste Ermutigung, Squirrel News zu gründen, kam sogar von einem guten Freund: Er hat geheiratet, ich war Trauzeuge, ich erzählte ihm von meiner Situation und er meinte: Gründe einen Verein!

Wie startest Du in den Tag? Gibt es „Rituale“ die Du umsetzt?

Zurzeit geht die meiste Energie am Morgen damit drauf, die Kinder in die Kita und in die Schule bringen. Ein hartes, aber auch sehr herzliches Ritual. Ansonsten: Zeitung lesen, digital!

Was braucht ein Tag, um perfekt zu sein?

Im Moment würde ich sagen: eine gute Portion Natur und gute Erlebnisse mit Menschen, die man mag. Ansonsten geht es aber auch umgekehrt: ein bisschen Ruhe, ein gutes Buch und ein Klavier.

Hast Du für unsere LeserInnen eine Buchempfehlung, einen Webtipp, einen Tipp für einen inspirierenden Platz, …?

In unserer App wimmelt es ja nur so von Webtipps und Inspirationen. Deshalb nenne ich hier einfach mal das letzte Buch, das ich mit viel Gewinn gelesen habe. Das war „89/90“ von Peter Richter: seine Geschichte von den letzten Monaten der Jugendlichen in Dresden vor dem Zusammenbruch der DDR. Trotz Verfall sehr erfrischend.

Wen sollten wir noch für „way to passion“ interviewen?

Max Roser von „Our world in data“. Und Saskia und Tom von „Lassesunstun“ – schon wieder Dresden übrigens.

Zu guter Letzt: Kurze Fragen – kurze Antworten!

Zick-Zack Lebenslauf oder geradlinige Karriere?
Zick-Zack. Ausprobieren ist lebenswichtig.

Arbeiten bedeutet für mich ….
eigentlich: Aufgaben zu erledigen, die ich in meiner Freizeit nicht unbedingt erledigen würde. Wobei bei Squirrel News viel zusammenfließt.

Leidenschaftlich gerne …
spiele ich Fußball und Klavier.

Lieblingsort zum konzentrierten Arbeiten?
Mein Sofa im Wohnzimmer. Auch wenn es seit Corona ein bisschen überstrapaziert ist.

Auf meinem Smartphone Home Screen ist zu sehen …?
Eine Wiese in den Hügeln der Provence: mit meinem Schatten.

Um abends abzuschalten …
ist es wichtig, das Laptop auszuschalten, und nach zehn Uhr nicht mehr zu arbeiten. Gelang mir vor Squirrel News allerdings besser.

 

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