Als leidenschaftlicher Sozialunternehmer arbeitet Jakob Detering daran, die nächste Generation sozialer Innovatoren zu befähigen, Lösungsansätze für die zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Als Geschäftsführer des Social Impact Award, Europas größter Community von frühphasigen SozialunternehmerInnen unter 30, setzt sich Jakob dafür ein, JungunternehmerInnen in Europa, Afrika und Asien zum Aufbau von erfolgreichen Sozialunternehmen und -initiativen zu befähigen und sektorübergreifende Dialoge zum Thema soziales Unternehmertum zu fördern.

Darüber hinaus ist Jakob Universitätsdozent für MBA-Kurse zum Thema Social Entrepreneurship, Mitglied des Vorstands der World Summit Awards und Berater des ersten Impact Investing Fonds in Österreich. Bevor er 2015 zum Social Impact Award kam, war Jakob viele Jahre im Stiftungssektor tätig. Er war zudem vier Jahre Geschäftsführer des rumänischen Social Business „Somaro“, das in Rumänien Sozialmärkte betreibt, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und Rumänen, die in Armut leben, Zugang zu preisgünstigen Lebensmitteln zu verschaffen. Jakob hat einen Master in Public Policy und einen Bachelor in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Seit 2013 ist er zudem Global Shaper des Weltwirtschaftsforums.

Was bedeutet die Corona Krise für dich ganz persönlich?

Ich denke, da geht es mir wie vielen anderen Menschen auch. Ich betone mal das Positive: Ich koche deutlich mehr und verbringe viel mehr Zeit mit meiner Freundin, die mit mir in Quarantäne ist. Und auch meine Zimmerpflanzen freuen sich sehr über das regelmäßige Gießen.

Inwieweit beeinflusst die Krise Deinen Job?

Die Einflüsse der Krise auf unsere Arbeit beim Social Impact Award sind natürlich massiv. Kurzfristig liegt ein großer Fokus darauf, unser gesamtes Jahresprogramm so umzugestalten, dass es sich auch in Zeiten von COVID-19 umsetzen lässt. Das erwarten sich unsere Lizenznehmer in aller Welt von uns. Konkret entwickeln wir also laufend neue Webinar-Formate, adaptieren Auswahlprozesse, veranstalten virtuelle Meetings mit diversen Stakeholdern und schließen Partnerschaften mit anderen Organisationen und Netzwerken, die uns bei der Umsetzung von virtuellen Bildungs- und Inkubationsprogrammen unterstützen können. Im Großen und Ganzen haben wir diese Umstellung bereits geschafft, was ein unglaublicher Erfolg des gesamten Teams ist. In den letzten Wochen haben bereits Tausende angehende SozialunternehmerInnen erfolgreich an unseren Webinaren und Unterstützungsformate teilgenommen.

Die größten Bauchschmerzen macht mir jedoch die Frage der Finanzierung von Sozialunternehmen und Unterstützungsorganisationen wie den Social Impact Award. Da sind die Aussichten alles andere als rosig. Auf Seiten der privatwirtschaftlichen Partner, wie Corporates oder Stiftungen, sehen wir schon jetzt massive Budgetkürzungen, die den Sektor heftig treffen werden. Und die öffentliche Hand bündelt ihre Budgets gerade stark in Richtung Arbeitsplatzsicherung. Das ist alles verständlich und nachvollziehbar. Aber wenn wir verhindern wollen, dass es zu einem Massensterben von NGOs und Sozialunternehmen kommt, dann braucht es hier kollektive Maßnahmen – sowohl von privater als auch von öffentlicher Seite!

Was vermisst Du gerade besonders?

Neben der Tatsache, dass ich natürlich nur von zu Hause aus arbeite, ist der größte Einschnitt sicherlich, dass ich aktuell nicht reise. In „normalen“ Zeiten verbringe ich 30-60% meiner Zeit auf Auslandsreisen, das fällt jetzt natürlich weg. Und so sehr ich die Zeit in den eigenen vier Wänden genieße, so sehr geht mir das Reisen und Kennenlernen neuer Kulturen und Menschen jetzt schon ab. Eine weitere Erkenntnis: Ich vermisse das Fußballspielen ungemein – regelmäßiges Joggen oder Radtouren sind dafür leider kein Ersatz.

Wie gestaltest Du Deinen Tag?

Ich bin kein großer Frühstücker, deshalb sitz ich morgens schon recht früh am Schreibtisch und schau, dass ich möglichst viel erledige, bevor die Calls beginnen. Im Tagesverlauf bin ich quasi durchgehend in verschiedenen Calls – meist Videokonferenzen, aber auch Telefonate mit dem Handy. Am Abend gehe ich gerne eine Runde joggen, um den Kopf frei zu kriegen. Und das bereits erwähnte Kochen betreibe ich deutlich intensiver in diesen Tagen.

@Amina Steiner

Wie wird das Leben nach Corona für Dich ausschauen?

Ich fürchte, mein berufliches Leben wird rauer, härter und stressiger. Es wird enorme Anstrengungen benötigen, um die Finanzierung unserer Arbeit langfristig sicherzustellen. Wenn ich mir anschaue, wie sich die Situation aktuell in den Ländern des Westbalkans, in Zentralasien oder in Ostafrika entwickelt – alles Regionen, in denen wir mit dem Social Impact Award sehr aktiv sind –, dann kommt man nicht umhin, anzunehmen, dass die wirtschaftlichen Folgen dort immens sein werden.

Welche Entwicklungen werden sich dadurch beschleunigen? In der Gesellschaft? In der Wirtschaft?

Auch hier bin ich eher pessimistisch. Wie schon erwähnt, werden zivilgesellschaftliche Akteure unter den Folgen der aktuellen Krise auf längere Sicht leiden, sollte es keine massive finanzielle Unterstützung geben. Das wäre insbesondere deshalb so bitter, weil wir soziale Innovation gerade in disruptiven Zeiten so dringend benötigen. Die letzten Wochen haben ja eindrücklich gezeigt, welche Bedeutung der zivilgesellschaftliche Sektor hat. Allein in Österreich sind innerhalb weniger Wochen hunderte Initiativen und innovativen Projekte gestartet worden, um sich den Herausforderungen von COVID-19 zu stellen. Ich bin mir sicher: Ohne dieses zivilgesellschaftliche Engagement hätte auch die österreichische Regierung die Krise nicht so gut gemeistert.

Außerdem befürchte ich, dass wir in der Bekämpfung des Klimawandels durch diese Krise weit zurückgeworfen werden. Einschränkungen unseren beruflichen und privaten Alltags, die mit Blick auf die Klimaziele unbedingt notwendig sind, werden in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit sehr viel schwerer durchzusetzen sein. Da wird das Argument der „Green Jobs“ leider nicht ausreichen.

Kannst Du anderen mit Deiner Expertise helfen?

Das versuche ich natürlich. Ich bin in den letzten Wochen von vielen SozialunternehmerInnen um Hilfe gefragt worden. Kannst du mich mit X verknüpfen, ich benötige ihre Hilfe? Wie setze ich meine Crowdfunding-Kampagne zur Zwischenfinanzierung auf? Welche unternehmerischen Opportunitäten siehst du in der Krise für unser Kerngeschäft? Solche und ähnliche Fragen bewegen gerade sehr viele Sozialunternehmen und NGO-Führungskräfte. Da versuche ich natürlich zu beraten und vernetzen, wo ich kann.

Die größte Unterstützung können wir aber sicher über den Social Impact Award anbieten. Wir werden auch weiterhin für angehende SozialunternehmerInnen all unsere Unterstützung kostenlos anbieten – Webinare, Feedback-Sessions, Mentorenprogramme, Vernetzungs-Formate, die Awards selber und vieles mehr. Ich bin schon gespannt auf all die tollen Einreichungen für den heurigen Social Impact Award!

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