Roswitha Reisinger ist geschäftsführende Gesellschafterin vom Lebensart Verlag, Herausgeberin und Chefredakteurin vom Magazin BUSINESSART. Mit unersättlichem Wissensdurst verfolgt sie die gesellschaftliche Entwicklung und ist überzeugt, dass eine bessere Lebens- und Wirtschaftswelt möglich ist, in der Fairness und das richtige Maß keine Fremdwörter sind. Seit Ihrer Jugendzeit engagiert sich Roswitha für Umweltschutz und Fairness und hat daraus schließlich einen Beruf gemacht. Gemeinsam mit Ihrem Mann Christian Brandstätter, hat Sie 2005 den Lebensart Verlag gegründet. Mit den beiden Medien LEBENSART und BUSINESSART informieren sie über nachhaltige Entwicklung und nachhaltiges Handeln, mit dem Ziel, zu einem guten Leben für alle beizutragen.

Was machst Du gerade?

Ich sitze abwechselnd im Büro und im Home-Office. Die Arbeit ist überraschenderweise mehr geworden. Mein ganzes Team ist massiv im Einsatz.

Was bedeutet die Corona Krise für dich ganz persönlich?

Ich persönlich fühle mich kaum betroffen, außer, dass ich aufgrund einer Lungenerkrankung zur Risikogruppe gehöre. Ich mache mir da weniger Sorgen als mein Mann und meine Kinder. Die sehen das schon sehr strikt und schauen darauf, dass die Verhaltensregeln penibel eingehalten werden 😉

Und statt am Abend unterwegs zu sein sind wir im Garten. Der ist so gepflegt wie noch nie 😉

Inwieweit beeinflusst die Krise Deinen Job?

Sie beeinflusst meinen Job sehr, und zwar auf drei Ebenen:

Redaktionell: Information ist mehr gefragt denn je. Wir unterstützen unsere Leser*innen mit vielen konkreten Tipps, versuchen eine gute Mischung aus Information und Aufmunterung zu bringen. Das ganze Team ist hier sehr gefordert und macht einen super Job. Wir beschäftigen uns intensiv mit der Frage, wie der Neustart unserer Wirtschaft auf nachhaltigerBasis gelingen kann. Und was wir aus der Krise lernen und sie als Chance dafür nützen können.

Unsere Kooperationspartner:
Für unsere Partner – vor allem jene, die es ganz besonders betroffen sind, wie zum Beispiel die Tourismusbranche – haben wir Informationsplätze geschaffen, wo sie zumindest sichtbar bleiben.

Der Steuerung unseres Unternehmens:
Wir mussten, wie alle anderen auch, von einem Tag auf den anderen auf Home-Office umstellen. Technisch waren wir hier bereits gut aufgestellt. Es ging dann eher darum, die Zusammenarbeit zu organisieren. Wir nutzen jetzt alle möglichen Online-Tools. Das macht Spaß und wird auch erhalten bleiben. Die Umstellung ist – auch dank dem Team – sehr gut gelungen. Als privat geführter Verlag finanzieren wir uns ausschließlich Werbeeinschaltungen und Abonnements. Üblicherweise sparen Unternehmen bei Krisen als Erstes bei der Werbung. Um das zu kompensieren werden wir viel Energie investieren müssen. Schön wäre, wenn die Regierung ihr Werbung auch bei uns schalten würde.

Was vermisst Du gerade besonders?

Das Treffen mit Familie und Freund*innen, insbesondere meine neun Monate jungen Enkelin. Sie erkennt uns am Bildschirm nicht. Das schmerzt sehr. Ich vermisse die zufälligen Begegnungen beim Mittagessen am Herrenplatz, wenn viele Leute, die wir kennen, vorbeigehen, das Chill-Out am Abend, den Besuch am See, …

Wie gestaltest Du Deinen Tag?

Genauso wie vorher. Nur beginnt die Arbeit nicht im Büro, sondern zuhause. Wir arbeiten täglich mindestens acht Stunden. Danach gehen wir meist noch in den Garten: jäten, gießen, pflanzen,.. Die Radieschen sind bald zu ernten. Jedenfalls: So schön wie heuer war der Garten noch nie!

Wie wird das Leben nach Corona für Dich ausschauen?

Weniger herumfahren, mehr digitale Meetings. Die Begegnungen mit lieben Menschen noch viel bewusster und achtsamer genießen. Und weiter versuchen zu entschleunigen: weniger, dafür intensiver.

Welche Entwicklungen werden sich dadurch beschleunigen? In der Gesellschaft? In der Wirtschaft?

Die Digitalisierung wird sich massiv beschleunigen. Das finde ich grundsätzlich positiv, weil ich mir erhoffe, dass dadurch weniger Ressourcen verbraucht werden. Im Gegenzug werden dadurch viele Arbeitsplätze wegfallen. Da müssen wir gegensteuern. Es gibt ja genug Arbeit. Stichwort Pflege, Landwirtschaft etc. Wie gelingt es, diese wichtigen Dienstleistungen adäquat zu bezahlen? Ich wünsche mir, dass jene Berufe, die unsere Gesellschaft tragen wie wir jetzt erleben – die Handelsangestellten, Pfleger*innen, Erntehelfer*innen, Müllabfuhr etc. – nicht nur bedankt werden, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten, deutlich verbessert werden. Ich glaube, dass sich die Länder noch längere Zeit massiv abschotten werden. Das wird eine große Herausforderung für die gesamte Tourismus- und Freizeitwirtschaft.

Viele Beschaffungsketten werden überprüft und neu justiert werden. Einiges wird nach Europa zurückkommen. Freiheit & Kontrolle: Ich hoffe, dass wir keine Kontrollgesellschaft werden, sondern eine offene Gesellschaft bleiben. Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, eine neue Art des Wirtschaftens zu etablieren, eine Wirtschaft, die mit einem gesunden Wachstum auskommt, eine Wirtschaft, die resilienter ist und einen Stillstand, wie wir ihn eben erlebt haben, gut wegstecken kann. Eine Wirtschaft, die entschleunigt und so auch den Menschen gut tut. Das ist aus meiner Sicht auch die große Chance, die diese Krise bietet: Durch Corona haben wir die Chance das Klimaabkommen von Paris und die SDGs zu erreichen. Nützen wir sie!

Kannst Du anderen mit Deiner Expertise helfen?

Ja, selbstverständlich gerne: wenn es um die Einschätzung von nachhaltigen Entwicklungen geht, oder darum, darüber zu berichten stehe ich gerne zur Verfügung.

Ein persönlicher Tipp.

Auf das wirkliche Wesentliche konzentrieren. Mehr braucht man nicht, um glücklich zu sein.

 

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