Julia Ramsmaier studierte Marketing & Innovationsmanagement, ist mehrfach ausgezeichnete Jungunternehmerin und war in einer führenden Digitalagentur tätig. Mit ihrem Unternehmen WhappMarketing.com konzipiert sie nun digitale Kampagnen für Politik, Unternehmen, Gemeinden und auch Anliegen, die ihr persönlich wichtig sind – den Fokus legt sie dabei auf WhatsApp.

Was bedeutet die Corona Krise für dich ganz persönlich?

Ganz persönlich war da am Beginn eine große Unsicherheit und auch etwas Angst in mir. Projekte wurden unterbrochen und viele offene Angebote natürlich abgelehnt. Vor ein paar Wochen habe ich bewusst begonnen, meinen Medienkonsum stark einzuschränken. Das hat mir geholfen, mich auf das zu konzentrieren, was für mich jetzt wichtig ist: trotz allem eine schöne Zeit zu verbringen, weiterhin selbständig tätig zu sein und einfach das Beste aus der Situation zu machen. Ich glaube, die Krise bedeutet für mich ganz persönlich, wieder mutiger zu sein und Chancen asap zu ergreifen. Ich habe meine Akquise und Zielgruppe umgestellt und versucht so schnell als möglich zu agieren.

Inwieweit beeinflusst die Krise deinen Job?

Wenn ich mit meiner ersten Firma mit Anfang 20 etwas gelernt habe, dann Ideen anzupassen und so lange zu testen, bis das Produkt oder die Dienstleistung einen Nutzen für viele bringt. Nicht aufzugeben und keine Chance ungenutzt zu lassen. Meine Tätigkeit hat sich verlagert: ich bin jetzt in erster Linie für Gemeinden und deren digitale Kommunikation, mit Schwerpunkt WhatsApp, tätig. Nachdem ich sonst auch von daheim aus arbeite, hat sich nicht viel geändert. Es ist aktuell viel Arbeit – dafür bin ich sehr dankbar. Ich versuche alles, um alle Hebel in Bewegung zu setzen und keine Chance ungenutzt zu lassen, damit das auch so bleibt. Daher ist meine persönliche und unternehmerische Lernkurve eine sehr steile. Das ist manchmal anstrengend und man braucht Menschen, die das unterstützen und für einen da sind. Auch dafür bin ich gerade sehr dankbar. Generell liebe ich intensive Arbeitsphasen – egal ob Wahlkampfkampagne oder jetzt, wenn ich versuche, so rasch als möglich für Gemeinden WhatsApp-Services aufzubauen.

Was vermisst du gerade besonders?

Ich hätte Ende März einen Urlaub in Miami geplant – der fiel leider ins Wasser, doch die Vorfreude darauf ist dennoch da. Wann auch immer die Reise stattfinden kann. Kiteboarden ersetze ich gerade durch Kiteboarding-Videos auf Youtube. Sprich: meinen Lieben und mir geht’s sehr gut und uns fehlt es an nichts wie man sieht :). Ich fühl mich eigentlich wie auf Arbeitsklausur, wo man ja auch intensiv werkt und sonst wenig anderes tut.

Wie gestaltest du deinen Tag?

Durch das schöne Wetter arbeite ich gerade von früh bis spät auf meinem Balkon und das Wohnzimmer ist mit Flip Chart-Papier zugeklebt. Das Telefon läutet oft ab 7 Uhr morgens – auch das ist gut. Das war davor nicht so extrem, stattdessen habe ich Termine und Workshops gehabt. Meinen Lebensmitteleinkauf habe ich auf Märkte verlagert – das genieße ich sehr. Was neu zu meinem Alltag dazu kam, sind täglich eine kurze Online-Weiterbildung. Das möchte ich nutzen, weil das oft super Inputs in kurzer Zeit sind und wenig kostet. Abends steht dann kochen, essen und sich austauschen am Programm.

Wie wird das Leben nach Corona für dich ausschauen?

Ich nehme fast an, etwas ruhiger, weil die Intensität gerade eine sehr hohe ist. Ich freue mich schon auf das Planen der Österreich-Urlaube und v.a. auf’s Kiteboarden. Falls da jemand Inlandtipps hat, wo es besonders schön und einfach ist, freue ich mich :).

Welche Entwicklungen werden sich dadurch beschleunigen? In der Gesellschaft? In der Wirtschaft?

Diese verbindende „I am from Austria“-Mentalität am Beginn fand ich sehr schön. Ich fände es toll, wenn wir uns das erhalten würden. Besonders aber den Respekt vor jenen, die für uns systemerhaltend arbeiten. Da reicht ein Applaus verständlicherweise absolut nicht aus. Meine Mutter war selbst Krankenschwester und ich weiß, wie wenig Wertschätzung man diesen Berufen entgegenbringt und dass sich die Lage in den letzten Jahrzehnten verschlechtert hat. Das gehört aus meiner Sicht dringend geändert: mehr Krankhauspersonal, bessere Bezahlung. Ebenso für alle anderen Berufe, die wir so dringend brauchen – von der 24-Stunden-Pflegerin bis hin zur Supermarktverkäuferin. Was ich gut finde ist, dass Bereiche, die versucht haben, die Digitalisierung klein zu reden, jetzt eines Besseren belehrt werden und handeln mussten. Von manchen Lehrern bis hin zur Kirche. Ich lese und schaue gerade viel von Richard David Precht und bin persönlich der Meinung, dass das Grundeinkommen in Angriff genommen werden sollte. Auch in der Medienwelt fände ich ein Umdenken schön – weg vom oberflächlichen Instagram-Feed und den Mächtigen auf den Titelseiten, hin zu den wahren Helden und ihrer Arbeit. Außerdem finde ich es toll, wie sich Menschen derzeit für andere engagieren. Vom Einkaufen für Risikogruppen bis hin zu gestarteten Petitionen. Diese Tatkraft und den Mut sollten wir uns bewahren!

Besonders empfehlenswert finde ich das Gespräch bei Markus Lanz von Richard David Precht und einem Virologen. Ab ca. Minute 30 interessant, ab Minute ca. 50 besonders interessant.

Ebenso – ich meine aus psychologischer und motivierender Sicht, weniger aus politischer – finde ich dieses Gespräch sehr nützlich: „Auf dem roten Stuhl!“

Kannst du anderen mit deiner Expertise helfen?

Gerne – hallo@whappmarketing.com

Ein persönlicher Tipp?

1. Leistung gibt es nicht umsonst! Lass dich nicht ausnutzen.
Während der Krise Geld für meine Leistungen zu verrechnen, hat sich am Beginn schlecht angefühlt und ich wusste nicht, wie ich das kommunizieren sollte. Ich glaube, dass sich mehrere in diesem Zwiespalt gefühlt haben oder fühlen. Ja, jeder soll einen Beitrag in dieser herausfordernden Zeit leisten. Aber nicht grenzenlos. Mieten müssen schließlich weiterhin bezahlt werden.
2. Never waste a crisis: die eigenen Stärke und Talente kennen und sie in der Krise einsetzen, um Mehrwert zu stiften. Somit sich nicht gehen lassen und sich der Krise hingeben, sondern TUN.
3. Wir haben gerade wenig zu verlieren. Probieren wir Neues mutig aus und trauen uns an Projekte und Ideen, die wir vorher nicht in Angriff genommen haben. Den Mutigen gehört die Welt! Auch in Krisenzeiten.

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