Karin Kuranda ist Geschäftsführerin/Co-Founderin von „endlos fesch“ – the Vienna Fashion Library und beschäftigt sich seit Jahren mit Zero Waste, Fair Fashion, Circular/Sharing Economy. Ursprünglich aus dem Projektmanagement der Entwicklungszusammenarbeit (Schwerpunkt Afrika) kommend wo sie 7 Jahre in der UNIDO im Afrika Programme arbeitete, ist sie jetzt Policy Officer bei AG Globale Verantwortung und Koordinatorin von SDG Watch Austria. Social Entrepreneurship, Nachhaltige Entwicklung sowie innovative Projekte liegen ihr am Herzen, besonders von/für Mädchen und Frauen. Sie studierte Management for International Development in Turin, Italien (Msc) sowie Anglistik und Geschichte (Mag.phil. ) inkl. Lehramtsausbildung, an der Universität Wien.

Wie ist endlos fesch entstanden? Welche Idee steckt dahinter?

Als Jessica Neumann und ich vor einigen Jahren bei der Zero Waste Austria Initiative tätig waren, wurde uns bewusst, welche Berge an Kleidungsmüll jeden Tag in unserer Wegwerf-Kultur entstehen. Wir fanden diese Situation untragbar und beschlossen eine Lösung zu finden, die Fashion-Liebhaberinnen wie uns zufriedenstellt und gleichzeitig die Umwelt schont. Weil wir es wichtig fanden, den Lebenszyklus von Kleidung zu verlängern, starteten wir das Fotoprojekt „Fesch in Second Hand“ – dass übrigens immer noch auf Facebook bewundert werden kann. Wir hatten den Eindruck, dass Frauen in unserer Generation häufig Berührungsängste gegenüber dem Begriff „Secondhand“ haben und dieses Projekt sollte diese Hemmungen abbauen, indem es zeigte, wie kleidsam Vintage-Mode sein kann. Danach organisierten wir Kleidertauschpartys, doch dabei mussten wir leider feststellen, dass jedes Mal sehr viel qualitativ minderwertige Kleidung übrigblieb, die niemand haben wollte. In Deutschlang und in einigen skandinavischen Ländern lernten wir dann das Prinzip der Fashion Library kennen und so wurde 2017 „endlos fesch“ geboren.

Was treibt Dich an?

Ich möchte nicht weiterhin tatenlos zusehen, wie unsere Welt sozial verroht und unsere Umwelt für den großen Konsum und den Gewinn weniger Einzelner zerstört wird. Ich stehe zu meinen Werten und teile diese auch gerne mit. Hin und wieder kommt das nicht gut an, aber ich versuche nicht zu predigen, sondern mit gutem Beispiel voranzugehen. Jessica Neumann und ich haben „endlos fesch“ gegründet, um alltagstaugliche Lösungswege zu finden, wie wir die Umwelt schonen, Ressourcen besser einsetzen und mit unseren Mitmenschen die Welt teilen können. Unser Planet ist für alle da.

Was ist das ganz Besondere an „endlos fesch“?

„Endlos fesch“ ist Wiens erste Fashion-Library. Wir bieten neben Ball- und Partykleidern auch high-end Businessmode und Streetwear von lokalen Designern und Designerinnen oder saisonale Stücke, wie Dirndln und schöne Wintermäntel. Dabei legen wir großen Wert auf hohe Qualität und faire, umweltschonende Produktion. Diese verleihen wir monateweise zu einem günstigen Preis. So können unsere Kundinnen zu besonderen Anlässen auch ganz besondere Kleidungsstücke mit einem guten Gewissen tragen. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Außerdem gibt es bei unseren Pop Ups immer Partystimmung: gute Beratung, ein Glas Prosecco und Snacks, um sich rundum wohl zu fühlen.

Wenn uns um die Modeindustrie geht, hast Du da Ideen wie es nachhaltige und fairer funktionieren könnte?

Die Modeindustrie ist eine der ausbeuterischsten und umweltschädlichsten, die es gibt. Nur unser Konsumverhalten zu ändern wird nicht genügen, um die katastrophalen Auswirkungen dieser Industrie einzudämmen, aber es ist ein erster Schritt. Wir als Konsumentinnen und Konsumenten müssen lernen mit weniger auszukommen und auf bessere Produktionsbedingungen zu achten. Projekte wie „endlos fesch“ können dabei helfen. Wir bieten vor allem Kleidung für besondere Anlässe. Ein schönes Dirndl oder ein Ballkleid brauche ich nicht allzu oft. Da ist es sinnvoller und nachhaltiger hochwertige Kleider auszuleihen, als billige qualitativ minderwertige Stücke zu kaufen und sie nach ein oder zweimal Tragen wegzuwerfen. Es macht außerdem auch mehr Spaß.

Ist „endlos fesch“ auch eine Antwort auf die wenig nachhaltige Modeindustrie?

Es ist Teil der Antwort. Kleider, die sonst im Schrank verstauben würden, werden durch „endlos fesch“ öfter ausgeführt. Das spart Ressourcen.

Wie wichtig ist Dir Mode?

Mode ist für mich eine Ausdrucksform. Durch Mode kann ich mitentscheiden, wie ich von anderen wahrgenommen werden will, aber auch wie ich mich im Moment fühle. Die richtige Farbe oder das richtige Accessoire können meinen gesamten Tag verändern.

Wer sind so Eure Kunden? Was sagen Eure Kunden über Euch?

Unsere Kundinnen sind Frauen, die modern, umweltbewusst, und ökonomisch leben und die Abwechslung lieben. Sie sind so selbstbewusst, dass sie sich nicht vor modischen Experimenten scheuen und gerne positiv auffallen.

In den Reviews auf unserer Homepage sagt eine Kundin, „Wir haben so eine Freude, dass wir nichts mehr kaufen müssen! Toll, dass es Euch gibt!!“ Viele andere berichten uns über die Komplimente, die sie bekommen, wenn sie unsere Kleider tragen.

@JeniaSymonds

War es schon immer Dein Wunsch ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Die Idee ein soziales Unternehmen zu gründen hatte ich schon lange. Ich wollte in Geschäft eröffnen und mit meinen unternehmerischen Fähigkeiten die sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit meistern. Es ist mir sehr wichtig, etwas zur Veränderung beizutragen. Zuerst war der soziale Gedanke da, danach kam die Gründung von „endlos fesch“.

Fühlst Du Dich genügend unterstützt?

Ans eigene Unternehmen zu glauben ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Unterstützung bekomme ich aus der Familie, von den Mitarbeiterinnen, unseren DesignerInnen und natürlich unseren Kundinnen. Manchmal fehlt uns leider das Kleingeld, um innovativer im Unternehmen vorgehen zu können, um erfolgreicher zu sein und das Geschäft auszubauen. Unterstützung dieser Art können wir also noch brauchen.

Was würde der Welt abgehen, wenn es endlos fesch nicht geben würde?

Ich weiß nicht, was die Welt betrifft, aber Wien würde auf jeden Fall der endlose Kleiderschrank von „endlos fesch“ abgehen.

Worauf verzichtest Du, um Deine Leidenschaft ausleben zu können?

Da ich „endlos fesch“ im Moment noch als meinen Nebenjob betreibe, bin ich 42 Stunden in einem anderen tollen Job angestellt. Dadurch fehlt mir sehr oft die Zeit zu reisen, mich mit FreundInnen zu treffen oder mich einfach treiben zu lassen. Gleichzeitig kann ich mit endlos fesch genau das tun was mich interessiert. Es ist wie du sagst, ich kann meine Leidenschaft, ausleben. Ich kann kreativ sein, Neues lernen, spannende Mode von lokalen DesignerInnen kennenlernen, ein Team führen, Events organisieren, und am wichtigsten: ich freue mich über jede einzelne glückliche Kundin!

Was ist eigentlich das Schönste bei Deiner Arbeit?

Das Schönste bei “endlos fesch“ ist sicherlich die Freiheit, die Kreativität und das Beraten der Kundinnen. Meine Kundinnen kenne ich entweder persönlich oder versuche sie gut kennenzulernen. Denn Mode ist Ausdruck deiner Persönlichkeit und niemand soll sich bei uns verkleidet vorkommen. Die Styling Beratung funktioniert also besonders gut, wenn ich weiß was meine Kundinnen wollen.

Wohin wird Dich diese Arbeit noch bringen? Gibt es noch geheime Projekte?

Was „endlos fesch“ betrifft, arbeiten wir momentan daran unser Angebot zu erweitern. Wir wollen unsere Kundinnen mit Kleidungsstücken in so vielen verschiedenen Konfektionsgrößen und Stilen wie möglich versorgen. Denn wir sind der festen Überzeugung, dass jede Frau es verdient, sich so richtig fesch zu fühlen.

Was sagen eigentlich Deine Freunde, Dein Umfeld, Deine Familie zu diesem Engagement?

Das ist ehrlich gesagt unterschiedlich. Manche finden die Idee zwar gut, sind aber pessimistisch, dass etwas so Innovatives erfolgreich sein kann. Da sage ich dann immer, „wer mich vor zehn Jahren gefragt hätte, ob ich Facebook und Email auf meinem Handy haben möchte, jeden Tag, hätte ich sicherlich „Nein, danke“ gesagt. Jetzt kann es sich niemand mehr vorstellen, ohne Smartphone zu arbeiten“. Dann gibt es viele Freunde, in der Familie, und allen voran mein Partner Uli, etc. die das Konzept von „endlos fesch“ toll finden, uns unterstützen und sogar freiwillig mitarbeiten. Das bestärkt mich und freut mich gleichzeitig weiter an „endlos fesch“ zu arbeiten.

Hast Du einen Wunsch?

Bitte überlegt euch vor jedem Einkauf, ob ihr das Ding – egal ob es sich um ein Kleidungsstück oder einen anderen Gegenstand handelt – wirklich selbst besitzen müsst oder ob ihr es euch nicht auch leihen könntet. Bevor es Geld gab, haben alle Menschen untereinander geliehen und getauscht. Heute stellen wir unter großem Einsatz von Ressourcen und Arbeitszeit, Unmengen des gleichen Produktes her, das dann von jedem einzelnen nur ein oder zweimal verwendet wird. Das ist doch absurd! Du brauchst ein Kleid? Dann kaufe es nur wenn du weißt, dass du es mindestens zehn oder 20 Mal tragen wirst und dass nicht die ArbeiterInnen und Kinder den Preis dafür zahlen müssen. Außerdem würde ich mich freuen, wenn wir mehr lokale Unternehmen unterstützen…lieber die Designerin aus Wien unterstützen, als den Großkonzern.

Hast Du für unsere Leserinnen und Leser einen Buchempfehlung, einen Web-Tipp, einen Tipp für einen inspirierenden Platz, …?

Ich habe aus den folgenden Filmen viel lernen können: „True Cost“; ZDF „Dirty Fashion – Die Geheimnisse der Modeindustrie“; oder River Blue. Ihr müsst nicht die ganzen Filme ansehen, auch ein paar Minuten geben einen guten Einblick wie Mode heute hergestellt wird.

Wen sollten wir noch für „way to passion“ interviewen?

Lukas Wank, der den Think Tank Shabka gegründet hat. Er arbeitet, wie viele von uns, freiwillig darauf hin die Welt zu verbessern und zeigt ein großes Engagement.

… gibt es sonst noch Geschichten, Erfahrungen die Du uns erzählen willst?!?!

Ja, das Wichtigste das ich beim Umsetzen meines Start Ups gelernt habe ist:

1. Just do it – auch wenn es etwas abgedroschen klingt, aber erst wenn du etwas ausprobiert oder verändert hast, siehst du ob es eine gute Idee war; und
2. Veränderung ist unsere einzige Konstante. Nehmt es immer mit und stellt euch darauf ein. Deine Idee, das Business etc. wird sich ständig verändern, auch du.