Thomas Weber, 42, Journalist, Buchautor (zuletzt „100 Punkte Tag für Tag“), Herausgeber von BIORAMA (Magazin für nachhaltigen Lebensstil) und der im Residenz Verlag erscheinenden Buchreihe „Leben auf Sicht“. Aktuell prägt seinen Alltag: Homeoffice, Homeschooling, Gartenarbeit, Kochen und Lesen sowie die Crowdfunding-Kampagne für das Craft Bier Fest.

Was bedeutet die Corona Krise für dich ganz persönlich?

Beruflich und ökonomisch kann ich das noch überhaupt nicht einschätzen. Da ist tatsächlich alles möglich. Wir arbeiten daran, dass wir als Medienhaus mit zwei blauen Augen durchkommen. Aber nix is fix und die Lage war wohl noch nie so ernst. Die Absage des Craft Bier Fests im Frühjahr, das diesjährige Aussetzen-Müssen der Biorama Fair Fair, das Verschieben von gebuchten oder in Aussicht gestellten Werbekampagnen auf einen späteren Zeitpunkt, stimmen nicht gerade euphorisch. Der Journalismus ist ja nicht das Problem, eher die Finanzierung. Mit BIORAMA ist es uns über die Jahre zum Glück gelungen, uns einen soliden Sockel an fixen Anzeigenpaketen zu erarbeiten. Die Werbeerlöse sind dennoch deutlich unter dem sonst für diese Jahreszeit Üblichem.

Es gibt allerdings Anzeichen für eine – nennen wir es vorsichtig: – Normalisierung. Das Wichtigste: Seit eineinhalb, zwei Wochen gibt es wieder Projektbeauftragungen und Geschäftsabschlüsse. Im Grunde gibt es wahnsinnig viel zu tun, mehr denn je, würde ich sagen. Und einem Teil unserer Partner und Werbekunden – jenen aus der Lebensmittelbranche – geht es ja teilweise auch wirklich blendend, weil die Menschen noch stärker als bisher auf Regionalität und Bio achten. Viele waren und sind trotzdem abwartend. Die vor eineinhalb Monaten spontan verschobene Eröffnung der Ausstellung „Klima & Ich“  am Museum Niederösterreich in St.Pölten, für die ich am Rahmenprogramm mitgewirkt habe, steht bevor. Das Museum sperrt mit 1. Juli wieder auf. Martin Grassbergers Buch „Das leise Sterben“, das in der von mir herausgegebenen Buchreihe „Leben auf Sicht“ im Residenz Verlag erscheint, ist wieder in die Bestsellerliste aufgestiegen. Vor ein paar Wochen wäre es ja auch in einem feierlichen Akt als „Wissenschaftsbuch des Jahres“ ausgezeichnet worden, aber die Veranstaltung konnte nicht mehr stattfinden.

Bei BIORAMA-Projekten, die vor Corona kurz vor dem Kick-off standen, in die viel Vorleistung in Form von Arbeitszeit geflossen sind, werden wir in den nächsten Wochen sehen, wie es weitergeht.
Ganz ehrlich: Ich habe dieses Interview ganz bewusst hinausgeschoben, weil ich Abwarten wollte, bis unsere Crowdfunding-Kampagne  fürs Craft Bier Fest öffentlich und am Laufen ist. Da sind maßgeblich unser Geschäftsführer Martin Mühl und Organisator Kevin Reiterer engagiert. Wir suchen Bierliebhaber, die – wie wir – an die Biervielfalt und den Wert von Genuss und Geselligkeit glauben. Was ohnehin bereits geplant war: unseren „Bier Club Supersud“, für treue Stammbesucher, den launchen wir jetzt damit einhergehend ein paar Monate eher als geplant.

Ich bleibe also Optimist. Vielleicht ein unverbesserlicher.

Inwieweit beeinflusst die Krise Deinen Job?

Tja. Total tät’ ich sagen. Wir haben Line-Extensions – etwa eine erstmalige Kooperation von BIORAMA mit den Salzburger Nachrichten – vom Frühsommer auf den Herbst verlegt. Partner aus noch stärker krisengeschüttelten Branchen haben sich gemeldet, weil sie mit uns für eine Kampagne zusammenarbeiten möchten. Ich könnte da jetzt noch eine Reihe von Beispielen nennen. Ich habe sonst in einer typischen Woche bis zu zehn, zwölf persönliche Termine. Jetzt ist alles anders, auch wenn ich wirklich viel telefoniere und Social Media beruflich noch bedeutsamer für die direkte Kommunikation geworden ist.

Was vermisst Du gerade besonders?

Ehrlich: Noch nix. Am ehesten richtig ruhigen Schlaf und einen ordentlichen, ergonomisch geformten Bürosessel. Vielleicht wird das demnächst eine Investition. Am ehesten fehlt natürlich eine Perspektive, die über fünf, sechs Wochen hinausreicht. Aber meine Tochter ist gerade bei mir, meine Partnerin ist auch im Homeoffice und – hey! – Frühling!

Wobei ich mich schon auch wieder freue, meine Kolleginnen und Kollegen zu sehen. Videocalls sind besser als nichts, aber mir fehlt der direkte Austausch sehr, das Reden beim Kaffeeholen, das unmittelbare Feedback. Ich hoffe, meine Kollegen sind im Homeoffice nicht zu grau und faltig vor lauter Sorgen geworden.

Wie gestaltest Du Deinen Tag?

Klingt vielleicht blöd, aber ich zwinge mich, mich trotz des Wahnsinns nicht übermäßig zu hetzen, weil das schnell und merkbar auf Kosten der Qualität ginge. Auch versuche ich, Arbeitszeit und Freizeit bewusst zu trennen. Was eh schwer ist, wenn die Arbeit im Kopf weiterarbeitet. Ich höre viel Ö1 und FM4, lese jeden Tag die Süddeutsche Zeitung oder die FAZ und Die Presse, die ich mir von der Trafik hole. Ganz bewusst in der Printausgabe, um weniger Zeit auf Screens zu starren. Ich bin fast täglich im Wald, mache so viel Sport wie seit Jahren nicht und wir kochen jeden Tag. Die Tage sind anders – aber nicht weniger gefüllt – wenn meine Kinder da sind. Ich war wie alle Autorinnen und Autoren des Residenz Verlags eingeladen, auf der Verlagswebsite an einer gemeinsamen „Chronik eines Ausnahmezustands“ zu bloggen. Da bin ich an einigen Abenden länger gesessen und hab viel nachgedacht. Schreiben ist immer noch Luxus. Und deshalb freue ich mich auch wirklich, dass wir – für die nächsten BIORAMA-Ausgaben und auch für ein paar Kundenprojekte – gerade sehr viel zu schreiben haben. Auch wenn die nächsten Wochen vom Pensum her wohl richtig wild werden.

Wie wird das Leben nach Corona für Dich ausschauen?

Es wird weitergehen, so oder so. Wobei ich immer noch unsicher bin, wann dieses „Nach Corona“ sein wird, und ob wir uns als Gesellschaft nicht eher „mit Corona“ arrangieren müssen. Die Themen, mit denen sich BIORAMA beschäftigt und mit denen ich mich in den vergangenen Jahren verstärkt beschäftigt habe, werden jedenfalls relevanter denn je sein. Das Feedback auf unsere BIORAMA-Ausgaben war noch nie so gut – und wir haben extra auch sogenannte Kurz-Abos eingeführt, mit denen man uns kennenlernen und unsere Arbeit honorieren kann.

Welche Entwicklungen werden sich durch die Krise beschleunigen? In der Gesellschaft? In der Wirtschaft?

Wir machen gerade die teuerste, aber denkbar effizienteste Digitalisierungsoffensive durch, die man sich vorstellen kann. Auch ich freunde mich mit neuen Tools an, die ich bislang nicht für notwendig oder vernachlässigbar hielt. Ich bin sicher kein Early Adopter wenn’s um neue Technologie geht. Ich muss mich da manchmal zwingen, nicht zu ignorant zu sein, bewege mich aber in einem hochaffinen Umfeld und werde da immer mehr oder weniger sanft mitgerissen. Aber ja, ehrlich: Lobpreisen wir das Netz! Nicht auszudenken, wie die Welt gerade ohne Internet aussehen würde.

Kannst Du anderen mit Deiner Expertise helfen?

Ja, in laufenden Projekten, ganz generell mit BIORAMA, in Form von Kampagnen, in Form von hochwertigen Branded Content-Formaten, die ich mit unser Chefredakteurin Irina Zelewitz entwickle, und etwa mit einem ganz neuen Kinderbuchprojekt, für das ich gerade einiges recherchiere. Privat habe ich einen Freund bei seinem Buchprojekt beraten. Beruflich hat gerade das Crowdfunding unseres Craft Bier Fests oberste Priorität. Deshalb auch hier die Einladung, uns als Teil des #TeamBier zu unterstützen.

Ein persönlicher Tipp.

Lesen, zum Beispiel „Das Licht“ von TC Boyle oder „Der Krieg der Armen“ von Éric Vuillard. Oder Musikhören, zum Beispiel anhand der #AustroTOP-Liste der 100 wichtigsten österreichischen Popsongs, die meine ehemaligen Kollegen von The Gap erarbeitet haben.

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